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Kurzantwort: Fliegen gehört zu den häufig berichteten Traummotiven. Bewusst steuern lässt es sich nur im Klartraum, also in einem Traum, in dem du weißt, dass du träumst. Klarträume sind im Schlaflabor nachgewiesen: Keith Hearne und Stephen LaBerge nutzten dafür verabredete Augenbewegungen als Signal. Die Deutung „Fliegen steht für Freiheit“ stammt dagegen aus Traumbüchern und ist nicht geprüft.
Fliegen im Traum hinterlässt ein gutes Gefühl. Wer es einmal erlebt hat, will es wieder erleben, und genau danach wird gesucht.
Die Frage hinter „im Traum fliegen können“ ist deshalb meist eine praktische. Geht das absichtlich? Kann man das lernen?
Die Antwort liegt in einem gut untersuchten Randgebiet der Schlafforschung. Es heißt Klartraum und ist seit den 1970er Jahren im Labor belegt.
Was bedeutet es, im Traum fliegen zu können?
Traumlexika lesen das Fliegen als Bild für Freiheit, Überblick und Loslösung. Ein mühsamer Flug gilt dort als Zeichen für Widerstand, ein Absturz als Rückschlag.
Diese Zuordnungen sind alt. Sie stehen in einer Linie, die bis zu Artemidor von Daldis im 2. Jahrhundert zurückreicht, und wurden nie an Träumenden überprüft.
Die Fassung, die heute im Netz steht, ist zusätzlich vereinfacht. Ein Bild, eine Bedeutung, für alle gleich. Artemidor selbst deutete denselben Traum je nach Lebenslage der träumenden Person unterschiedlich.
Für die Frage nach dem Können hilft diese Ebene ohnehin wenig. Sie beschreibt, wie über das Fliegen gesprochen wird. Die Frage, ob du den Flug steuern kannst, beantwortet die Schlafforschung.
Warum Fliegen im Traum überhaupt vorkommt
Erinnerte Träume stammen überwiegend aus dem REM-Schlaf, den Eugene Aserinsky und Nathaniel Kleitman 1953 beschrieben.
In dieser Phase ist die Muskelspannung stark herabgesetzt. Der Körper meldet praktisch keinen Bodenkontakt und keinen Widerstand.
Ein Gehirn ohne diese Rückmeldung baut Bewegungsszenen ohne Schwerkraft. Fliegen und Fallen liegen deshalb dichter beieinander, als es sich anfühlt.
Das erklärt, warum ein Flug im Traum oft in einen Sturz kippt. Beides ist dieselbe Ausgangslage mit anderem Vorzeichen.
Klartraum: der Zustand, in dem du steuerst
Ein Klartraum ist ein Traum, in dem dir bewusst ist, dass du träumst. Den Begriff „luzides Träumen“ prägte Frederik van Eeden 1913, gestützt auf 352 eigene dokumentierte Klarträume.
Keith Hearne und Stephen LaBerge gelang der Nachweis im Schlaflabor unabhängig voneinander. LaBerge führte seine systematischen Experimente ab 1980 durch.
Der Trick liegt in den Augen. Während die übrige Muskulatur im REM-Schlaf gelähmt ist, bleiben die Augenmuskeln willkürlich steuerbar. Die Versuchsperson signalisiert mit verabredeten Augenbewegungen, dass sie gerade klar träumt.
Damit ist der Zustand messbar geworden. Wer im Klartraum fliegt, entscheidet sich tatsächlich dafür.
Wie häufig Klarträume sind
Eine Befragung von Michael Schredl und Daniel Erlacher aus dem Jahr 2004 liefert Zahlen. 18,0 Prozent der Befragten hatten nie einen Klartraum.
26,7 Prozent berichteten von etwa zwei bis vier Klarträumen im Jahr, 16,2 Prozent von etwa einem im Monat und 8,0 Prozent von etwa einem pro Woche.
Metaanalysen kommen auf eine große Spanne: Zwischen 26 und 82 Prozent der Bevölkerung haben mindestens einmal klar geträumt.
Die Fähigkeit ist also weit verbreitet und zugleich bei den wenigsten zuverlässig abrufbar.
Lässt sich das Fliegen üben?
Die üblichen Techniken zielen auf die Klarheit im Traum. Ist die einmal da, wird der Flug zu einer Entscheidung wie jede andere.
Verbreitet sind drei Bausteine: ein Traumtagebuch direkt nach dem Aufwachen, mehrmals täglich eine Realitätsprüfung und die feste Absicht vor dem Einschlafen, den Traum zu bemerken.
Auslöser für spontane Klarheit sind oft bizarre Szenen im Traum selbst. Schwereloses Schweben gehört ausdrücklich dazu, weshalb Flugträume besonders häufig in Klarträume übergehen.
Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Die Häufigkeit schwankt stark zwischen Personen, und wer wenig schläft, hat weniger REM-Schlaf und damit weniger Gelegenheiten.
Wenn der Flug kippt
Zwei Erlebnisse tauchen im Umfeld von Klarträumen regelmäßig auf. Das erste ist das falsche Erwachen: Du glaubst aufzuwachen und träumst dabei weiter, manchmal mehrfach hintereinander.
Das zweite ist die Schlaflähmung beim Aufwachen. Der Körper ist noch in der REM-Lähmung, das Bewusstsein schon wach. Das ist unangenehm und harmlos.
Wenn Flugträume regelmäßig in Albträume umschlagen, dich wecken und den Tag belasten, geht es um Schlafqualität. Wiederkehrende Albträume gelten als eigenständiges Beschwerdebild und sind behandelbar. Als Faustregel für eine Behandlung gilt etwa ein Albtraum pro Woche über einen längeren Zeitraum.
Wer gezielt an Klarträumen arbeitet, sollte den eigenen Schlaf im Blick behalten. Techniken, die dich nachts absichtlich wecken, zerstückeln den Schlaf. Bei bestehenden Ein- oder Durchschlafproblemen richtet das mehr Schaden an, als ein gesteuerter Flug wert ist.
Häufige Fragen
Was bedeutet es, wenn man im Traum fliegen kann?
Traumbücher deuten es als Freiheit und Überblick. Diese Zuordnung ist Überlieferung. Handfest ist die körperliche Erklärung: Im REM-Schlaf fehlt die Rückmeldung von Bodenkontakt und Muskelspannung.
Kann man Fliegen im Traum lernen?
Steuern lässt sich der Traum nur im Klartraum. Traumtagebuch, Realitätsprüfungen und feste Absicht vor dem Einschlafen erhöhen die Chance darauf, garantieren sie aber nicht.
Wie viele Menschen träumen klar?
In der Befragung von 2004 hatten 18 Prozent nie einen Klartraum, 8 Prozent etwa einen pro Woche. Metaanalysen nennen 26 bis 82 Prozent für mindestens ein Erlebnis im Leben.
Woher weiß man, dass Klarträume echt sind?
Aus dem Schlaflabor. Die Augenmuskeln bleiben im REM-Schlaf steuerbar, und verabredete Augenbewegungen wurden als Signal aufgezeichnet.
Warum stürze ich beim Fliegen plötzlich ab?
Fliegen und Fallen haben dieselbe körperliche Grundlage. Sobald Angst ins Spiel kommt, kippt die Szene leicht in einen Sturz.
Ist Klarträumen gefährlich?
Für gesunde Schläfer gilt es als unbedenklich. Wer nachts gezielt wach wird, um Klarheit zu üben, zerstückelt allerdings seinen Schlaf. Bei bestehenden Schlafproblemen ist davon abzuraten.
Quellen
Wikipedia: Klartraum
Wikipedia: REM-Schlaf
Wikipedia: Falsches Erwachen
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Im Traum träumen: Traumebenen, Klartraum und was dahintersteckt
- Im Traum nicht schreien können: Ursache im Schlaf und Bedeutung
- Im Traum nicht laufen können: Warum die Beine nicht gehorchen
Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.







