Light Through the Fog

Im Traum kann ich fliegen: Bedeutung und Erklärung

Kurzantwort: Wer sagt „im Traum kann ich fliegen“, beschreibt meist eines von drei Erlebnissen: schwereloses Schweben, ein Abstoßen vom Boden mit langem Gleiten oder eine Schwimmbewegung durch die Luft. Alle drei haben dieselbe körperliche Grundlage. Im REM-Schlaf ist die Muskelspannung stark herabgesetzt, der Körper meldet keinen Bodenkontakt. Die Deutungen aus Traumbüchern sind Überlieferung und nicht geprüft.

Flugträume gehören zu den wenigen Träumen, die man ungern verlässt. Sie fühlen sich leicht an und bleiben deutlich in Erinnerung.

Auffällig ist, wie ähnlich Menschen sie beschreiben. Dieselben Bewegungen, dieselbe Angst vor dem Absacken, dieselbe Enttäuschung beim Aufwachen.

Diese Ähnlichkeit hat einen körperlichen Grund. Er erklärt den Traum besser als jede Bedeutungsliste.

Die drei Varianten des Fliegens

Am häufigsten berichtet wird das Schweben. Du hebst ohne eigenes Zutun ab und hältst dich in geringer Höhe.

Die zweite Variante ist das Abstoßen. Ein Sprung, dann ein langes Gleiten, das mit jedem Absetzen erneuert werden muss.

Die dritte erinnert ans Schwimmen. Arme und Beine arbeiten gegen die Luft, als wäre sie zäh.

Allen drei Fassungen ist gemeinsam, dass die Höhe unsicher ist. Genau an dieser Stelle kippt der Traum oft.

Viele berichten außerdem von Hindernissen: Stromleitungen, Dächer, Äste. Der Flug bleibt niedrig, obwohl er sich frei anfühlt. Diese Mischung aus Leichtigkeit und Enge ist so verbreitet, dass sie in fast jeder Sammlung von Traumberichten auftaucht.

Warum dieser Traum entsteht

Erinnerte Träume stammen überwiegend aus dem REM-Schlaf. Eugene Aserinsky und Nathaniel Kleitman beschrieben diese Phase 1953.

Im REM-Schlaf ist die Skelettmuskulatur weitgehend gelähmt. Der Körper liegt still, meldet keinen Widerstand und keinen Bodenkontakt.

Das Gehirn baut aus dieser Ausgangslage Bewegung ohne Schwerkraft. Fliegen ist eine plausible Szene für einen Körper, der gerade nichts trägt.

Dieselbe Grundlage erzeugt den Sturztraum. Bei Kindern und Jugendlichen macht das Fallen rund zehn Prozent der Albtraumthemen aus.

Warum sich der Traum wiederholt

Flugträume kommen bei vielen Menschen über Jahre in derselben Form zurück. Ein Grund liegt im Wiedererkennen: Was einmal gut funktioniert hat, greift das Gehirn wieder auf.

Manche berichten sogar von einer erlernten Technik im Traum, etwa vom richtigen Absprungwinkel. Belegt ist so etwas nicht, beschrieben wird es häufig.

Ein zweiter Grund ist die Erinnerung selbst. Angenehme Träume kurz vor dem Aufwachen bleiben besonders gut haften.

Dadurch wirken Flugträume häufiger, als sie vermutlich sind. Sie sind vor allem besser erinnerbar als der Rest der Nacht.

Auch die Suche selbst verstärkt den Eindruck. Wer nach einem Flugtraum im Netz nachliest, findet Hunderte gleichlautender Berichte und hält das Motiv danach für häufiger, als es die Aufzeichnungen im Schlaflabor hergeben.

Was Traumbücher daraus machen

Das älteste bekannte Traumlexikon stammt von Antiphon von Rhamnus, der von 480 bis 411 vor Christus lebte. Der einflussreichste antike Traumdeuter war Artemidor von Daldis im 2. Jahrhundert.

Bei Artemidor hing die Bedeutung eines Bildes von der Lebenslage der träumenden Person ab. Derselbe Traum galt beim Kaufmann als etwas anderes als beim Sklaven.

Moderne Traumlexika haben dieses Prinzip weitgehend aufgegeben. Übrig blieb die einfache Fassung: Fliegen steht für Freiheit, Aufstieg und Überblick.

Das ist lesbar und beliebig zugleich. Traumlexika sind Sammlungen von Sprachbildern und keine Nachschlagewerke für Tatsachen.

Wenn du merkst, dass du träumst

Manche Menschen bemerken mitten im Flug, dass sie träumen. Dieser Zustand heißt Klartraum, der Begriff „luzides Träumen“ geht auf Frederik van Eeden im Jahr 1913 zurück.

Der Zustand ist im Schlaflabor nachgewiesen. Die Augenmuskeln bleiben im REM-Schlaf steuerbar, und verabredete Augenbewegungen dienten als Signal von innen nach außen.

Schwereloses Schweben gilt als typischer Auslöser für diese Klarheit. Der Traum wirkt so unmöglich, dass die Prüfung von selbst einsetzt.

Nach einer Befragung aus dem Jahr 2004 hatten 18,0 Prozent der Befragten nie einen Klartraum, 26,7 Prozent zwei bis vier im Jahr und rund 8,0 Prozent etwa einen pro Woche.

Der Übergang funktioniert allerdings selten auf Kommando. Wer es versucht, wacht häufig einfach auf. Klarheit und Flug hängen an derselben feinen Grenze zwischen Schlaf und Wachsein.

So ordnest du deinen Flugtraum ein

Notiere zuerst die Bewegung. Schweben, Abstoßen oder Schwimmen sind unterschiedliche Erinnerungen an denselben Zustand.

Halte fest, ob du Angst hattest. Ein Flug mit Absturzangst gehört eher zu den Sturzträumen als zu den leichten Träumen.

Sieh dann auf die Tage davor. Ein Flug, ein Umzug, eine Entscheidung mit viel Spielraum oder ein Film mit Flugszene reichen als Anlass.

Wenn nichts passt, bleibt die Deutung ein Angebot. Ein Traumtagebuch über zwei Wochen zeigt dir mehr Muster als jede Deutungsliste. Notiere direkt nach dem Aufwachen, sonst ist die Erinnerung nach wenigen Minuten weg.

Häufige Fragen

Was bedeutet es, wenn ich im Traum fliegen kann?

Traumbücher deuten es als Freiheit und Überblick. Diese Zuordnung ist Überlieferung. Die belegte Erklärung ist körperlich: Im REM-Schlaf fehlt die Rückmeldung von Muskelspannung und Bodenkontakt.

Warum träume ich immer wieder vom Fliegen?

Wiederholung ist bei diesem Motiv normal. Angenehme Träume kurz vor dem Aufwachen bleiben besser haften, und bekannte Szenen greift das Gehirn erneut auf.

Warum falle ich beim Fliegen plötzlich?

Fliegen und Fallen entstehen aus derselben Ausgangslage. Kommt Angst dazu, kippt die Szene in einen Sturz.

Kann ich im Traum bewusst fliegen?

Nur im Klartraum, also wenn dir während des Traums bewusst ist, dass du träumst. Dieser Zustand ist im Schlaflabor belegt, tritt aber bei den meisten Menschen selten auf.

Ist Fliegen im Traum ein gutes Zeichen?

Es gibt keine Untersuchung, die Flugträume mit späteren Ereignissen verknüpft. Als Vorzeichen taugt der Traum nicht.

Wann sollte ich Flugträume abklären lassen?

Wenn sie regelmäßig in Albträume kippen, dich über Wochen wecken und der Tag darunter leidet. Ansprechpartner sind Hausarztpraxis und schlafmedizinische Ambulanzen.

Quellen

Wikipedia: REM-Schlaf
Wikipedia: Traumdeutung
Wikipedia: Artemidor von Daldis
Wikipedia: Klartraum

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.


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