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Im Traum fliegen: Bedeutung, Psychologie und Einordnung

Kurzantwort: Traumbücher lesen das Fliegen als Bild für Freiheit, Überblick und Loslösung. Geprüft wurde keine dieser Deutungen. Belegbar ist etwas anderes: Flugträume werden aus vielen Ländern berichtet, sie gelten meist als angenehm, und sie tauchen auffällig oft in Klarträumen auf. Der Anlass liegt in aller Regel im Wachleben.

Wer nachts geflogen ist, wacht meistens gut gelaunt auf. Das erklärt, warum nach diesem Traum so oft gesucht wird.

Die Antworten im Netz klingen dabei erstaunlich gleich. Freiheit, Aufbruch, ein Problem, über das du dich erhebst. Woher diese Sätze stammen, steht selten dabei.

Dieser Text trennt zwei Dinge: was sich über Flugträume sagen lässt und was gedeutet wird. Beides hat seinen Platz, aber es gehört auseinandergehalten.

Was beim Fliegen im Traum im Körper passiert

Die meisten erinnerten Träume stammen aus dem REM-Schlaf. Diese Schlafphase entdeckten Eugene Aserinsky und Nathaniel Kleitman 1953 an der University of Chicago.

Im REM-Schlaf ist die Spannung der Skelettmuskulatur stark herabgesetzt. Der Körper liegt praktisch bewegungslos da, während im Traum Bewegung stattfindet.

Genau das passt zum Flugtraum. Du bewegst dich durch den Raum, ohne dass ein Muskel arbeitet, und das fühlt sich schwerelos an.

Diese Erklärung betrifft das Gefühl im Traum. Über eine Botschaft sagt sie nichts.

Was bedeutet im Traum fliegen? Die verbreiteten Lesarten

In Traumlexika steht Fliegen fast überall für dasselbe: Freiheit, Abstand von einer engen Lage, ein Blick von oben auf etwas, das dich am Boden beschäftigt.

Eine zweite Lesart dreht sich um Kontrolle. Wer im Traum sicher steuert, gilt als jemand, der seine Lage im Griff hat; wer abstürzt oder nicht höher kommt, als jemand, dem etwas entgleitet.

Beide Deutungen folgen der Alltagssprache. Wir sagen, dass jemand über den Dingen steht oder abhebt, und das Traumbuch übersetzt das Bild einfach zurück.

Solche Einträge sind alt. Das älteste erhaltene Traumbuch des europäischen Raums stammt von Artemidor von Daldis aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Seine Oneirokritika ordnen Traumbilder nach Lebenslagen, lange bevor es Psychologie als Fach gab.

Im Traum fliegen: Psychologie und ihre Grenzen

Sigmund Freud legte mit der Traumdeutung die Grundlage dafür, Trauminhalte als verkleidete Wünsche zu lesen. Die Erstausgabe erschien am 4. November 1899 und wurde auf 1900 vordatiert.

Carl Gustav Jung stellte dem wiederkehrende Bildmuster gegenüber, die er Archetypen nannte. Fliegen liest diese Schule als Ausdruck einer seelischen Bewegung nach oben.

Beide Ansätze sind Modelle aus der Zeit um 1900. Die Schlafforschung von heute behandelt sie als historisch bedeutsam und als nicht bestätigt.

Was stattdessen breit vertreten wird: Trauminhalte greifen auf, was tagsüber wichtig war. Wer geflogen ist, einen Umzug plant oder eine Prüfung hinter sich hat, findet den Anlass meist im eigenen Kalender.

Praktisch heißt das: Eine Deutung, die dir nichts erklärt, musst du nicht gelten lassen. Sie hat keine bessere Grundlage als deine eigene Erinnerung an den Vortag.

Warum Flugträume so gut in Erinnerung bleiben

Träume aus der zweiten Nachthälfte werden zuverlässiger erinnert, weil die REM-Phasen dort länger sind und Erwachen häufiger vorkommt.

Dazu kommt die Stimmung. Ein Traum mit starkem Gefühl bleibt besser haften als eine beiläufige Szene, und Fliegen wird meist als stark angenehm erlebt.

Aus dieser Schieflage entsteht der Eindruck, Flugträume seien besonders häufig. Belegbar ist vor allem, dass sie besonders gut erinnert werden.

Das gilt auch für die Deutung. Ein Traum, über den viel gesprochen wird, sammelt mit der Zeit mehr Bedeutungen an als ein Traum, den niemand erwähnt.

Warum Flugträume so oft in Klarträumen vorkommen

Ein Klartraum ist ein Traum, in dem dir bewusst ist, dass du träumst. Der Frankfurter Psychologe Paul Tholey und der US-Forscher Stephen LaBerge gelten als die Pioniere dieser Forschung.

In Berichten von Klarträumern gehört Fliegen zu den ersten Dingen, die ausprobiert werden. Sobald die Regeln der Wirklichkeit erkennbar aufgehoben sind, liegt der Gedanke nahe.

Deshalb fällt ein Flugtraum doppelt auf. Er ist angenehm, und er endet oft mit dem Moment, in dem du merkst, dass etwas nicht stimmen kann.

Wer solche Träume häufiger erlebt, kann sie mit Übung fördern. Techniken dazu sind beschrieben, ihre Wirksamkeit fällt in Studien unterschiedlich aus.

So ordnest du deinen eigenen Flugtraum ein

Halte zuerst fest, wie du geflogen bist. Frei und mühelos, mit Anlauf, knapp über dem Boden oder in einem Flugzeug — das sind vier verschiedene Träume.

Notiere danach die Stimmung. Angenehm, ängstlich, gleichgültig. Die Stimmung sagt mehr über deine Lage aus als das Bild selbst.

Sieh dann auf die letzten zwei Tage. Ein Flug, ein Film, eine Drohnenaufnahme, ein Gespräch über Weggehen: Ein Auslöser findet sich häufiger, als viele erwarten.

Erst wenn sich nichts findet, lohnt der Blick auf die Deutung. Und auch dann bleibt sie ein Angebot, das du prüfen kannst, statt eine Auskunft über dein Leben.

Häufige Fragen

Was bedeutet im Traum fliegen?

In der Deutungsliteratur steht Fliegen für Freiheit, Abstand und Überblick. Diese Zuordnung stammt aus Traumbüchern und aus der Alltagssprache, nicht aus Messungen.

Ist Fliegen im Traum ein gutes Zeichen?

Als Zeichen für kommende Ereignisse ist es nicht belegt. Die meisten Träumenden erleben es angenehm, und dieses Gefühl ist der einzige verlässliche Teil daran.

Was sagt die Psychologie zum Fliegen im Traum?

Freud las Träume als verkleidete Wünsche, Jung als Bildsprache der Seele. Beide Schulen widersprechen sich, und beide Modelle sind bis heute nicht bestätigt.

Warum komme ich im Traum nicht richtig hoch?

Dieses Bild ist verbreitet und wird gern als Sinnbild für Anstrengung gedeutet. Ein Beleg dafür fehlt. Häufig steckt schlicht der Traumverlauf dahinter, der sich ständig ändert.

Kann ich Flugträume gezielt herbeiführen?

Über Klartraumtechniken versuchen das viele. Es gibt beschriebene Verfahren dafür, die Erfolgsquoten schwanken stark und hängen von Übung und Schlafrhythmus ab.

Was bedeutet ein Absturz im Flugtraum?

Fallträume sind ein eigenes, sehr häufiges Motiv. Beim Einschlafen können Muskelzuckungen ein Fallgefühl erzeugen, das der Traum in eine Szene übersetzt.

Quellen

Wikipedia: REM-Schlaf
Wikipedia: Klartraum
Wikipedia: Die Traumdeutung (Sigmund Freud)
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.


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