Kurzantwort: Verfolgungsträume gehören zu den am häufigsten berichteten Traummotiven überhaupt. Traumbücher lesen sie als Bild für etwas, dem im Wachleben ausgewichen wird. Belegt ist das nicht. Belegt ist der Zusammenhang mit Belastung und die Wirksamkeit eines Verfahrens, mit dem sich wiederkehrende Albträume gezielt verändern lassen.
Der Ablauf ist fast immer gleich. Etwas ist hinter dir, du läufst, und die Beine gehorchen nicht richtig.
Diese Träume enden selten. Meistens reißt der Schlaf ab, bevor irgendetwas passiert, und genau deshalb bleiben sie im Gedächtnis.
Dieser Text ordnet die überlieferten Deutungen ein, sagt, was die Schlafforschung dazu weiß, und beschreibt, was bei wiederkehrenden Verfolgungsträumen hilft.
Ein Motiv, das fast jeder kennt
In Befragungen zu häufigen Traummotiven steht Verfolgung regelmäßig weit oben, quer durch Länder, Altersgruppen und Lebenslagen.
Zusammen mit Fallen, Zuspätkommen, Prüfungen und Zahnverlust bildet es die kleine Gruppe von Motiven, die praktisch überall auftaucht.
Solche Zahlen stammen aus Erinnerungen, nicht aus Messungen im Schlaflabor. Sie sagen also mit, welche Träume gut haften bleiben.
Und Verfolgungsträume haften besonders gut, weil starke Angst häufig zum Aufwachen führt. Wer aufwacht, behält den Traum.
Was Traumbücher darin sehen
Die verbreitetste Deutung liest die Verfolgung als Vermeidung. Etwas soll nicht angesehen werden, also wird davor weggelaufen.
Genannt werden dafür Konflikte, unerledigte Aufgaben, eine Entscheidung, die aufgeschoben wird, oder ein Gefühl, das nicht zugelassen wird.
Ältere Quellen deuten konkreter und fragen nach dem Verfolger. Ein Tier, ein Fremder und ein Bekannter bekommen dort verschiedene Einträge.
Für alle diese Zuordnungen gilt dasselbe: Sie sind kulturelle Überlieferung. Ein wissenschaftlicher Nachweis fehlt.
Wer da eigentlich verfolgt
Jandre van Heerden (Backplates), CC0
Auffällig ist, wie selten der Verfolger klar zu erkennen ist. Träumende beschreiben eine Gestalt, einen Schatten, ein Geräusch hinter sich.
Wenn doch jemand erkennbar ist, handelt es sich häufiger um eine unbekannte Person als um jemanden aus dem eigenen Umfeld.
Die Deutungstradition macht daraus die Frage, wovor gerade ausgewichen wird. Ob das im Einzelfall zutrifft, entscheidet der Abgleich mit den letzten Wochen.
Häufig genannt werden außerdem Tiere, Fahrzeuge und Gruppen, deren Gesichter unscharf bleiben. Auch das Motiv, verfolgt zu werden, ohne jemanden zu sehen, kommt regelmäßig vor.
Kinder berichten öfter von Tieren und Fantasiegestalten, Erwachsene öfter von Menschen. Das passt zu dem, was tagsüber jeweils die Aufmerksamkeit bindet.
Warum die Beine nicht laufen
Fast alle Berichte enthalten dieses Detail: Die Bewegung wird zäh, die Beine sind schwer, die Flucht kommt nicht vom Fleck.
Im REM-Schlaf ist die Skelettmuskulatur weitgehend gelähmt. Diese Lähmung verhindert, dass Traumbewegungen tatsächlich ausgeführt werden.
Ein direkter Zusammenhang zwischen dieser Muskelhemmung und dem Erleben zäher Beine ist nicht bewiesen, wird aber häufig als naheliegende Erklärung genannt.
Für die Deutung ändert das wenig. Für die Beruhigung nach dem Aufwachen ändert es einiges.
Verwandt damit ist die Schlaflähmung. Dabei bleibt die Muskelhemmung des REM-Schlafs beim Aufwachen kurz bestehen, und der Betroffene liegt bewegungsunfähig im Bett.
Das ist unangenehm, aber ungefährlich und geht nach kurzer Zeit von selbst vorbei. Wer es häufig erlebt, kann es ärztlich abklären lassen.
Der Zusammenhang mit Belastung
Der stabilste Befund der Traumforschung ist die Kontinuität zwischen Wachleben und Traum. Themen, die tagsüber beschäftigen, tauchen nachts häufiger auf.
Belastende Träume häufen sich deshalb in belastenden Phasen. Prüfungszeiten, Konflikte am Arbeitsplatz, Krankheit in der Familie sind typische Anlässe.
Nach schweren Ereignissen wie Unfällen oder Gewalt treten Albträume gehäuft auf und können Teil einer Belastungsreaktion sein.
In diesem Fall gehört der Traum in eine fachliche Sprechstunde und nicht in ein Lexikon.
Auch Schichtarbeit, Fieber und ein unruhiger Schlafplatz erhöhen die Zahl der nächtlichen Wachphasen und damit die Zahl der erinnerten Träume. Ein Anstieg der Albträume kann also auch daran liegen.
Wann ein Albtraum behandelt gehört
Albträume gehören zum normalen Schlaf. Zur Störung werden sie, wenn sie mehrmals pro Woche auftreten, den Schlaf zerschneiden und den Tag mitprägen.
Dann sprechen Schlafmedizinerinnen und Schlafmediziner von einer Albtraumstörung. Sie gilt als eigenständige, behandelbare Schlafstörung.
Ein Warnzeichen ist die Angst vor dem Einschlafen. Wer den Abend hinauszögert, um dem Traum zu entgehen, verschärft die Lage zusätzlich.
Das Verfahren, das untersucht ist
Bei wiederkehrenden Albträumen ist ein Vorgehen gut untersucht, das ohne Medikamente auskommt: Der Traum wird im Wachzustand neu geschrieben.
Dazu wird der Ablauf aufgeschrieben und an einer Stelle geändert, meist am Ausgang. Aus der Flucht wird ein Stehenbleiben, ein Umdrehen, ein Gespräch.
Diese neue Fassung wird tagsüber mehrfach in Ruhe durchgegangen, über einige Wochen hinweg. Die Häufigkeit belastender Träume sinkt dadurch.
Angeleitet wird das in psychotherapeutischen Praxen und in schlafmedizinischen Ambulanzen. Adressen vermittelt der Psychotherapie-Informationsdienst.
Was nach dem Aufwachen hilft
Direkt nach einem solchen Traum hilft ein klarer Schnitt. Licht an, aufsetzen, ein paar Schlucke trinken, den Raum bewusst ansehen.
Der Versuch, sofort weiterzuschlafen, führt oft zurück in dieselbe Szene. Ein paar Minuten Wachsein unterbrechen das zuverlässiger.
Wer den Traum kurz notiert, muss ihn nicht mehr festhalten und schläft leichter wieder ein. Drei Stichworte genügen: Ort, Gefühl, eigene Reaktion.
Auf Dauer hilft außerdem alles, was den Schlaf insgesamt stabilisiert: gleiche Zeiten, ein dunkles kühles Zimmer, weniger Alkohol am Abend.
Alkohol unterdrückt zunächst den REM-Schlaf und lässt ihn in der zweiten Nachthälfte verstärkt zurückkommen. Genau in dieser Zeit häufen sich belastende Träume.
Häufige Fragen
Was bedeutet es, im Traum verfolgt zu werden?
Traumbücher lesen es als Ausweichen vor einem Thema. Nachgewiesen ist diese Bedeutung nicht.
Warum komme ich im Traum nicht vom Fleck?
Das Motiv ist sehr verbreitet. Im REM-Schlaf ist die Muskulatur weitgehend gelähmt, was oft als Erklärung genannt wird.
Sind Verfolgungsträume gefährlich?
Für den Körper nicht. Belastend werden sie, wenn sie wiederkehren und den Schlaf stören.
Was hilft gegen wiederkehrende Albträume?
Untersucht ist, den Traum wach mit anderem Ausgang neu zu schreiben und diese Fassung tagsüber mehrfach durchzugehen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
- Albtraum – Wikipedia
- REM-Schlaf – Wikipedia
- Psychotherapie-Informationsdienst
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Im Traum verfolgt werden: Bedeutung und Einordnung
- Traum von Schlangen: Islam, Deutung und Einordnung
- Traum von Krieg: Bedeutung, Deutung im Islam und Einordnung
Geschrieben von Bella, Redaktion traumatlas.de — sie schreibt hier über Traumsymbole und ihre Deutung.

