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Kurzantwort: Traumbücher lesen das Auto als Bild für deinen Lebensweg. Wer selbst fährt, hat demnach das Steuer in der Hand, wer auf dem Beifahrersitz sitzt, lässt andere lenken, und versagende Bremsen stehen für Kontrollverlust. Das ist Deutungstradition ohne Beleg. Belegt ist, dass 32 Prozent der Befragten einer kanadischen Studie schon geträumt haben, die Kontrolle über ein Fahrzeug zu verlieren, und dass Menschen, die viel fahren, häufiger vom Fahren träumen.
Du sitzt am Steuer, die Straße wird enger, die Bremse geht ins Leere. Oder du fährst, ohne je einen Führerschein gemacht zu haben. Oder jemand anderes fährt, und du kommst nicht an das Lenkrad.
Autoträume gehören zu den Träumen, die morgens noch da sind, weil sie so körperlich sind. Das Gefühl der Beschleunigung, das Rutschen der Reifen, der Ruck beim Aufprall.
Dieser Text trennt, was Traumbücher aus dem Auto machen, und was die Schlafforschung über Fahrträume gemessen hat.
Wie oft Autofahren im Traum vorkommt
Tore Nielsen und Kollegen haben 2003 in Kanada 1.181 Studierende gefragt, welche von 55 typischen Traumthemen sie schon erlebt hatten. „Die Kontrolle über ein Fahrzeug verlieren“ nannten 32,0 Prozent, Frauen mit 33,1 Prozent etwas häufiger als Männer mit 29,3 Prozent. Das Thema lag damit auf Rang 22 von 55, weit hinter Verfolgung mit 81,5 Prozent und Fallen mit 73,8 Prozent.
Wie oft Menschen vom normalen, unfallfreien Fahren träumen, wurde in dieser Studie nicht abgefragt. Dazu gibt es andere Daten.
Michael Schredl und Friedrich Hofmann ließen 2003 in Mannheim Versuchspersonen zwei Wochen lang ihre Tagesaktivitäten und ihre Träume protokollieren. Wer mehr Zeit am Steuer verbrachte, träumte häufiger vom Fahren. Lesen, Schreiben und Computerarbeit tauchten dagegen kaum in Träumen auf, obwohl sie den Tag füllten.
2005 befragten Schredl, Funkhouser und Arn Lkw-Fahrer. Die Zeit im Lkw hing mit der Häufigkeit von Fahrträumen zusammen, die Stimmung am Tag, Stress und Zufriedenheit im Job, mit dem Gefühl im Traum. Das Auto im Traum kommt also aus dem Alltag, das Gefühl dazu ebenfalls.
Traumdeutung Auto fahren: die Lesarten der Traumbücher
Traumlexika behandeln das Auto als Bild für den Weg, den du gerade gehst. Die Straße ist das Leben, das Tempo dein Tempo, das Ziel deine Pläne.
Wer selbst fährt, gilt als jemand, der sein Leben steuert. Wer auf dem Beifahrersitz sitzt, lässt sich fahren, von einem Partner, den Eltern, dem Chef. Auf der Rückbank hast du demnach gar keinen Einfluss.
Ein fremdes Auto wird als fremde Rolle gelesen, ein altes Auto als überholte Gewohnheit, ein neues als Neuanfang. Fahren ohne Führerschein steht für eine Aufgabe, für die du dich nicht bereit fühlst.
Diese Lesarten sind Alltagssprache in Bildern. Wir sagen, dass jemand das Steuer übernimmt oder auf der Standspur steht, und das Traumbuch übersetzt das Bild zurück. Geprüft wurde davon nichts.
Bremsen versagen, Lenkrad blockiert: der Kontrollverlust
Das ist die häufigste Variante und die, die am meisten Angst macht. Nielsen ordnete das Thema in seiner Faktorenanalyse dem Bereich „Kontrollverlust“ zu, zusammen mit dem Traum, ein neues Zimmer im eigenen Haus zu entdecken, und dem Traum von ausfallenden Zähnen.
Traumbücher lesen die versagende Bremse als Angst, eine Situation nicht mehr aufhalten zu können: ein Projekt, das zu schnell wird, eine Beziehung, eine Krankheit. Das blockierte Lenkrad steht für fehlende Wahlmöglichkeiten.
Die Forschung liefert dazu einen anderen Hinweis. Die Lkw-Studie fand, dass Stress am Tag mit negativen Traumgefühlen zusammenhängt. Der Bremstraum kann also einfach die Form sein, in der Anspannung nachts auftaucht. Was gebremst werden soll, sagt der Traum nicht.
Unfall, Absturz, Auto im Wasser
Ein Unfall im Traum wird in Traumbüchern als Bruch gedeutet, als Warnung vor Überforderung oder als Konflikt mit dem Menschen, der im anderen Auto sitzt. Der Absturz von einer Brücke und das versinkende Auto gelten als Bilder für Angst vor dem Ausgeliefertsein.
Ein Traum vom Unfall sagt keinen Unfall voraus. Dafür gibt es keinen belegten Fall. Der Traum ist mit 32 Prozent so verbreitet, dass er als Vorhersage jeden Tag tausendfach danebenläge.
Anders ist es nach einem echten Unfall. Dann kann der Traum die Szene wiederholen, oft in den ersten Wochen. Das ist eine normale Reaktion. Hält sie über Monate an oder macht sie Angst vor dem Fahren, gehört sie in ärztliche oder therapeutische Hände.
Was die Schlafforschung dazu sagt
Die Kontinuitätshypothese besagt, dass Träume aufgreifen, was dich am Tag beschäftigt. Für das Autofahren ist sie so gut belegt wie für kaum eine andere Tätigkeit, weil sich die Fahrzeit leicht messen lässt.
Dazu kommt ein Befund aus der Nielsen-Studie: Die frühesten und häufigsten Traumthemen haben mit kräftiger Bewegung zu tun, mit Verfolgung, Fallen, Fliegen. Das Fahren passt in diese Reihe. Der Körper liegt im REM-Schlaf gelähmt im Bett, das Gehirn simuliert Tempo.
Was der Traum bedeutet, lässt sich daraus nicht ableiten. Die Forschung sagt, woher das Bild kommt und woher das Gefühl. Die Übersetzung in dein Leben bleibt Deutung.
So ordnest du deinen Autotraum ein
Notiere drei Dinge: Wer fuhr, was passierte, was du beim Aufwachen gefühlt hast. Das Gefühl sagt mehr als das Bild.
Dann sieh auf die letzten zwei Tage. Eine lange Fahrt, ein Beinahe-Unfall, eine anstehende Fahrprüfung, ein Projekt, das dir entgleitet. Ein Auslöser findet sich meistens im Alltag.
Erst danach lohnt das Traumbuch, und dann als Angebot. Wenn die Lesart „du lässt andere lenken“ etwas in dir trifft, ist das ein Hinweis auf dich. Der Traum selbst hat es nicht gesagt. Kehrt der Traum wöchentlich wieder, sprich mit deiner Hausärztin. Für wiederkehrende Albträume gibt es Verfahren, bei denen du das Ende am Tag umschreibst und einübst.
Häufige Fragen
Was bedeutet es, im Traum Auto zu fahren?
Traumbücher: Du steuerst dein Leben. Forschung: Du fährst am Tag Auto, und der Traum greift das auf.
Was bedeutet es, wenn die Bremsen im Traum versagen?
Traumbücher lesen es als Angst vor Kontrollverlust. 32 Prozent kennen diesen Traum. Stress am Tag macht ihn wahrscheinlicher.
Was heißt es, wenn jemand anderes fährt?
Traumbücher: Du überlässt anderen die Führung. Prüfe, ob das Gefühl im Traum dazu passt. Nur dann taugt die Deutung.
Ich fahre im Traum ohne Führerschein. Warum?
Die Deutung lautet: eine Aufgabe, für die du dich nicht bereit fühlst. Belegt ist das nicht.
Kündigt ein Unfalltraum einen Unfall an?
Nein. Ein Drittel der Befragten kennt solche Träume. Ein belegter Fall einer Vorhersage existiert nicht.
Wann sollte ich mit Autoträumen zum Arzt?
Wenn sie nach einem echten Unfall über Monate anhalten, wöchentlich wiederkehren oder Angst vor dem Fahren machen.
Quellen
Nielsen et al. 2003: The Typical Dreams of Canadian University Students (Dreaming, PDF)
Schredl & Hofmann 2003: Continuity between waking activities and dream activities (Consciousness and Cognition)
Schredl, Funkhouser & Arn 2005: Dreams of Truck Drivers – A Test of the Continuity Hypothesis (Imagination, Cognition and Personality)
Wikipedia: Traumdeutung
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Traumdeutung Auto: Bedeutung, Herkunft, Einordnung
- Traumdeutung Fallen, Abstürzen: Kontrollverlust, Warnung oder Einleitung großer Veränderungen
- Träumen vom Fallen: Kontrollverlust, Überforderung und mögliche Warnsignale
Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.







