Kurzantwort: Fliegen gehört zu den Traummotiven, die weltweit berichtet und meist angenehm erlebt werden. Traumbücher lesen es als Bild für Freiheit, Überblick und Loslösung. Belegt ist keine feste Bedeutung, wohl aber der enge Zusammenhang mit dem Klartraum: Wer bemerkt, dass er träumt, versucht als Erstes fast immer zu fliegen.
Ein Flugtraum bleibt hängen. Er endet selten mit Schrecken, und viele Menschen erinnern sich noch Jahre später an einen.
Genau das macht ihn zu einem der meistgesuchten Traummotive überhaupt.
Dieser Text ordnet die gängigen Varianten, nennt die überlieferten Deutungen und zeigt, was die Schlafforschung zum Fliegen im Traum tatsächlich sagen kann.
Ein Motiv, das fast überall vorkommt
Befragungen zu häufigen Traummotiven nennen quer durch Länder und Altersgruppen dieselben Klassiker: verfolgt werden, fallen, zu spät kommen, Prüfungen, Zähne verlieren und fliegen.
Fliegen ist darunter das einzige Motiv, das überwiegend positiv erinnert wird. Die meisten anderen aus dieser Liste sind mit Angst verbunden.
Das erklärt einen Teil seiner Beliebtheit. Ein Traum, aus dem jemand gut gelaunt aufwacht, wird gern erzählt und gern nachgeschlagen.
Auffällig ist außerdem, wie früh es auftritt. Viele Menschen erinnern Flugträume aus der Kindheit, oft als eine der ersten Traumerinnerungen überhaupt.
Ob damit tatsächlich mehr Flugträume in jungen Jahren verbunden sind, lässt sich rückblickend nicht klären. Erinnerungen an Träume sind selbst schon eine Auswahl.
Was Traumbücher darin sehen
Die überlieferten Deutungen kreisen um drei Begriffe: Freiheit, Überblick und Loslösung. Wer fliegt, verlässt den Boden und sieht die Lage von oben.
Ältere Quellen legen den Schwerpunkt anders. In der Antike galt der Flug häufig als Zeichen eines Aufstiegs im Wortsinn, also als gesellschaftliche Veränderung.
Artemidor von Daldis behandelte Flugträume bereits im 2. Jahrhundert und unterschied dabei nach Höhe, Richtung und Stand des Träumenden.
Für alle diese Zuordnungen gilt dasselbe: Sie sind Überlieferung, keine Messung.
Mühelos fliegen
Die angenehmste Variante ist der Flug ohne Anstrengung. Träumende beschreiben ihn als Gleiten, als Schwimmen in der Luft oder als Springen, das nicht mehr aufhört.
In der Deutungstradition steht das für einen Zustand, in dem etwas leichtfällt. Viele Träumende ordnen ihn selbst einer Phase zu, in der eine Belastung weggefallen ist.
Auffällig ist die Regelmäßigkeit, mit der solche Träume im Schlaf kurz vor dem Aufwachen auftreten. Genau in dieser Zeit häufen sich die REM-Phasen.
Die Art des Fliegens unterscheidet sich dabei stark. Manche berichten von Flügelschlagen, andere von Schweben ohne jede Bewegung, wieder andere von langen Sprüngen mit Zwischenlandung.
Diese Unterschiede sind für die eigene Einordnung nützlicher als jeder Lexikoneintrag. Wie viel Kontrolle hattest du über Richtung und Höhe?
Wenn der Flug nicht gelingt
Ebenso verbreitet ist die andere Variante. Der Flug beginnt, aber die Höhe reicht nicht, Äste, Leitungen oder Dächer kommen in die Quere.
Traumbücher lesen das als Bild für ein Vorhaben, das nicht recht abhebt. Träumende benennen dazu häufig eine konkrete Sache, die stockt.
Manchmal kippt der Flugtraum ins Fallen. Fallträume gehören zu den häufigsten Motiven überhaupt und enden fast immer mit dem Erwachen.
Fliegen im Flugzeug
Ein Traum vom Passagierflug ist etwas anderes als ein Traum vom eigenen Fliegen. Im Flugzeug wird jemand befördert, ohne selbst zu steuern.
Die Überlieferung liest das als Frage nach Kontrolle. Wer im Traum den Flug bucht, sitzt anders darin als jemand, der plötzlich an Bord ist.
Wer im Alltag Flugangst hat, träumt zusätzlich häufiger von Flugzeugen. Der Traum verarbeitet dann die Angst selbst.
Ein Absturz im Traum wird dagegen meist als Kontrollverlust gelesen und gehört damit näher an das Fallen als an das Fliegen.
Entscheidend für die eigene Deutung ist auch hier weniger das Bild als das Gefühl: Wer ruhig am Fenster sitzt, träumt anders als jemand, der die Notausgänge zählt.
Der Zusammenhang mit dem Klartraum
Ein Klartraum ist ein Traum, in dem der Träumende bemerkt, dass er träumt. Der Begriff geht auf den niederländischen Arzt Frederik van Eeden zurück, der ihn 1913 einführte.
In den 1970er- und 1980er-Jahren gelang der Nachweis im Schlaflabor. Klarträumende verständigten sich über vorher vereinbarte Augenbewegungen, die im REM-Schlaf aufgezeichnet wurden.
Im deutschsprachigen Raum hat vor allem der Psychologe Paul Tholey zu Klarträumen geforscht und Übungen dafür beschrieben.
Fliegen ist dabei das mit Abstand häufigste, was Menschen im Klartraum ausprobieren. Wer die Kontrolle über den Traum bemerkt, hebt ab.
Was sich üben lässt
Klarträume treten spontan auf und lassen sich bis zu einem gewissen Grad fördern. Beschrieben sind vor allem zwei Übungen.
Die erste ist die regelmäßige Prüfung im Alltag: mehrmals täglich fragen, ob der aktuelle Zustand ein Traum sein könnte, und dabei genau hinsehen.
Die zweite nutzt die Morgenstunden. Wer nach einigen Stunden Schlaf kurz aufwacht, wach bleibt und dann weiterschläft, hat in dieser Phase mehr REM-Schlaf.
Wer schlecht schläft, sollte darauf verzichten. Absichtliches nächtliches Aufwachen ist bei Schlafstörungen keine gute Idee.
Was belegt ist und was nicht
Belegt sind das Vorkommen von Klarträumen, ihr Nachweis über Augensignale im REM-Schlaf und der Zusammenhang zwischen Trauminhalt und Themen des Wachlebens.
Belegt ist außerdem, dass die Traumerinnerung an nächtlichem Aufwachen hängt. Das gilt für Flugträume wie für alle anderen.
Nicht belegt ist eine feste Bedeutung des Fliegens. Was Traumlexika dazu schreiben, ist kulturelle Überlieferung.
Auch die Frage nach Häufigkeiten ist heikler, als sie klingt. Alle Zahlen zu Traummotiven stammen aus Befragungen und hängen daran, wie gut sich jemand erinnert.
Häufige Fragen
Was bedeutet Fliegen im Traum?
Traumbücher nennen Freiheit, Überblick und Loslösung. Ein wissenschaftlicher Nachweis dafür fehlt.
Warum kann ich im Traum nicht höher fliegen?
Diese Variante ist verbreitet und wird als stockendes Vorhaben gedeutet. Belegt ist die Zuordnung nicht.
Hängen Flugträume mit Klarträumen zusammen?
Ja. Wer im Traum bemerkt, dass er träumt, versucht meist als Erstes zu fliegen.
Kann man Flugträume herbeiführen?
Nicht zuverlässig. Übungen zum Klartraum erhöhen die Chance, sind aber kein Schalter.
Quellen
- Klartraum – Wikipedia
- REM-Schlaf – Wikipedia
- Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
- Artemidor von Daldis – Wikipedia
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Spinnen im Traum: Deutung, Varianten und Hintergründe
- Im Traum kann ich fliegen: Bedeutung und Erklärung
- Im Traum fliegen können: Bedeutung, Klartraum, Technik
Geschrieben von Bella, Redaktion traumatlas.de — sie schreibt hier über Traumsymbole und ihre Deutung.

