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Kurzantwort: Als Albtraum gilt ein Traum mit so starken negativen Gefühlen, dass er zum Erwachen führt. Bis zu fünf Prozent der Erwachsenen geben in repräsentativen Studien an, darunter zu leiden. Als Ursachen gelten Veranlagung, Persönlichkeit, Stress, Traumata und Vermeidung. Die Fachgesellschaft empfiehlt ein Vorgehen in drei Schritten, das den Traum umschreibt und über zwei Wochen einübt.
Nach einem Albtraum sucht man zuerst nach einer Bedeutung. Das ist verständlich und führt selten weiter.
Die Schlafmedizin behandelt Albträume als Angstphänomen und geht sie mit den Mitteln der Angsttherapie an. Was der Traum zeigt, spielt dabei eine kleinere Rolle als sein Ablauf.
Dieser Text fasst zusammen, was gesichert ist, und beschreibt das Verfahren, das die Arbeitsgruppe Traum der DGSM veröffentlicht hat.
Was ein Albtraum ist
Die Arbeitsgruppe Traum der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin definiert den Albtraum als Traum, der so starke negative Gefühle enthält, dass er zum Erwachen führt. Angst, Ekel, Trauer und Ärger gehören dazu.
Es gibt auch belastende Träume ohne direktes Erwachen. Albträume treten häufig in der zweiten Nachthälfte auf und lassen sich gut erinnern.
Davon zu unterscheiden ist der Pavor nocturnus, ein nächtliches Aufschrecken aus dem Tiefschlaf, meist in der ersten Nachthälfte. Betroffene erinnern dabei keine Traumhandlung, sondern höchstens einzelne bedrohliche Bilder. Schlafwandeln kommt bei diesen Personen nicht selten dazu.
Wie häufig Albträume sind
In großen Umfragen geben fast alle Erwachsenen an, in Kindheit oder Jugend gelegentlich Albträume erlebt zu haben. Die Frage ist deshalb nicht das Ob, sondern ab wann sie belasten.
Als Faustregel nennt die Fachgesellschaft eine Häufigkeit von etwa einmal pro Woche oder öfter. Ein zweites Anzeichen ist die Angst vor dem Einschlafen wegen möglicher Albträume.
Mädchen scheinen häufiger gelegentliche Albträume zu haben, während Mädchen und Jungen gleich oft unter häufigen Albträumen leiden.
Bei etwa fünf Prozent der Kinder treten Albträume einmal pro Woche oder häufiger auf, am meisten zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr. Im Erwachsenenalter ist die Häufigkeit geringer, bis zu fünf Prozent der Befragten geben in großen repräsentativen Studien dennoch an, darunter zu leiden.
Welche Themen vorkommen
In einer Stichprobe von Jugendlichen führte die Verfolgung die Themenliste an, genannt von 50 Prozent. Danach folgten etwas Bedrohliches mit 20 Prozent und die Verletzung oder der Tod nahestehender Personen mit ebenfalls 20 Prozent.
Der eigene Tod kam auf 15 Prozent, das Fallen ins Bodenlose auf 10 Prozent.
Diese Liste beschreibt Häufigkeiten. Eine Aussage darüber, was ein einzelnes Motiv bedeutet, lässt sich daraus nicht ableiten.
Ein Motiv steht dabei klar vorn: das Verfolgtwerden. Dasselbe Thema führt auch die Listen gewöhnlicher Träume an, in einer kanadischen Erhebung unter 1.181 Studierenden mit 81,5 Prozent.
Woher Albträume kommen
In einer großen Zwillingsstudie zeigte sich ein genetischer Anteil am Auftreten von Albträumen. Veranlagung spielt also eine Rolle.
Dazu kommt die Persönlichkeit. Ein amerikanischer Forscher beschrieb Menschen mit sogenannten dünnen Grenzen, die kreativ, empathisch, offen und sensibel sind, sich gegen Stress aber schlecht abgrenzen können. Sie berichten häufiger von Albträumen.
Das aktuelle Stressniveau wirkt stark mit. Bei entsprechend veranlagten Menschen genügen dafür oft schon Erlebnisse, die als normal stressig gelten.
Traumata sind ein eigener Faktor. Gemeint sind Erlebnisse, die die Verarbeitungskapazität übersteigen. Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung gehören Albträume häufig zu den Leitsymptomen.
Auch ohne das Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung können Albträume nach solchen Erlebnissen auftreten. Die Fachgesellschaft weist ausdrücklich darauf hin.
Der am meisten übersehene Faktor
Aus der Angsttherapie ist bekannt, dass Vermeidung eine Angst am Leben hält. Wer den Kontakt mit dem meidet, wovor er sich fürchtet, kann nicht lernen, die Angst zu bewältigen.
Bei Albträumen sieht das so aus, dass Betroffene die erlebte Angst wegschieben, oft mit dem Satz, es sei ja nur ein Traum gewesen.
Die Fachgesellschaft bezeichnet genau das Gegenteil als wirksamste Form der Therapie: das bewusste Auseinandersetzen mit der Angst.
Das Verfahren in drei Schritten
Der erste Schritt ist die Konfrontation. Erwachsene führen ein Traumtagebuch und schreiben den Albtraum nachts oder morgens auf, Kinder zeichnen die wichtigste Szene und sich selbst mit hinein.

Der zweite Schritt ist eine neue Lösung. Man stellt sich die Traumsituation nochmals vor und überlegt, wie sie sich aktiv bewältigen ließe. Fluchtreaktionen wie Weglaufen, Wegfliegen oder Aufwachen taugen dafür nicht, weil sie wieder Vermeidung sind. Günstig ist, die bedrohliche Traumfigur anzusprechen oder sich Helfer vorzustellen.
Der dritte Schritt ist das Einüben. Die neue Lösung wird einmal täglich in der Vorstellung durchgegangen, über zwei Wochen, immer derselbe Traum mit derselben Lösung. Details dürfen dazukommen.
Bleibt der Erfolg aus, lässt sich die Traumarbeit ein- bis zweimal wiederholen. Tritt dann keine deutliche Besserung ein, ist der Weg zu einer Verhaltenstherapeutin, einem Psychiater oder einem schlafmedizinischen Zentrum der richtige.
Für Kinder läuft dasselbe Verfahren über das Zeichnen. Nach dem Bild wird gefragt, was sich einzeichnen ließe, damit weniger Angst entsteht.
Wenn Medikamente oder eine Erkrankung dahinterstehen
Albträume treten auch als Nebenwirkung von Medikamenten auf oder im Rahmen einer anderen psychischen Erkrankung, etwa einer Depression.
Dann gilt der Vorrang der Grunderkrankung, oder die Medikation wird umgestellt. Die beschriebene Albtraumtherapie lässt sich zusätzlich durchführen.
Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung ist sie eine sinnvolle Ergänzung der Standardtherapie und kein Ersatz dafür.
Häufige Fragen
Bedeutet ein Albtraum, dass etwas Schlimmes passiert?
Nein. Albträume gelten als Angstphänomen und nicht als Vorzeichen.
Ab wann sind Albträume behandlungsbedürftig?
Als Faustregel gilt eine Häufigkeit von etwa einmal pro Woche oder öfter, dazu Angst vor dem Einschlafen.
Wie lange dauert das Umschreiben des Traums?
Die neue Lösung wird über zwei Wochen einmal täglich durchgegangen.
Wirkt das Verfahren auch bei anderen Traumthemen?
Die Fachgesellschaft beschreibt, dass das gelernte Muster auf Albträume mit anderen Inhalten übergeht.
Quellen
- DGSM, AG Traum: Alpträume – Was kann ich dagegen tun?
- Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
- Nielsen et al. (2003): The Typical Dreams of Canadian University Students
- Psychotherapie-Informationsdienst der Deutschen Psychologen
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