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Was bedeutet mein Traum? So deutest du ihn in fünf Schritten

Kurzantwort: Eine allgemeingültige Bedeutung für ein Traumbild gibt es nicht. Traumlexika liefern Zuordnungen, die nie geprüft wurden. Die Forschung geht davon aus, dass Träume aufgreifen, was dich tagsüber beschäftigt. Am weitesten kommst du, wenn du den Traum aufschreibst, das Gefühl festhältst und die letzten zwei Tage nach dem Anlass absuchst.

Du wachst auf, und ein Bild bleibt hängen. Ein Haus, das du nicht kennst. Ein Mensch, den du seit Jahren nicht gesehen hast. Ein Zug, den du verpasst.

Die erste Frage ist fast immer dieselbe: Was soll das heißen? Und die erste Antwort im Netz kommt aus einem Traumlexikon, das für jedes Bild einen Eintrag hat.

Dieser Text erklärt, welche Deutungsschulen es gibt, was davon Bestand hat, und wie du deinen eigenen Traum ohne Lexikon einordnest.

Was bedeutet mein Traum? Die vier Antworten der Traumdeutung

Die älteste Antwort ist das Traumbuch. Artemidor von Daldis hat im 2. Jahrhundert Traumbilder nach Lebenslagen sortiert. Moderne Lexika arbeiten bis heute nach diesem Muster: ein Bild, eine Bedeutung.

Die zweite Antwort stammt von Sigmund Freud. Seine Traumdeutung erschien im November 1899, vordatiert auf 1900. Für Freud ist der Traum eine verkleidete Wunscherfüllung. Der Trauminhalt verbirgt, was das Wachbewusstsein nicht zulässt.

Die dritte Antwort kommt von Carl Gustav Jung. Träume gleichen bei ihm Einseitigkeiten aus und greifen auf Bilder zurück, die allen Menschen gemeinsam sind. Er nannte sie Archetypen.

Die vierte Antwort ist die der Schlafforschung. Sie fragt weniger nach der Bedeutung und mehr nach der Entstehung. Dazu gleich mehr.

Was davon geprüft ist

Traumlexika wurden nie an Daten geprüft. Sie lassen sich auch schwer prüfen, weil dieselbe Szene bei zwei Menschen zwei verschiedene Anlässe haben kann.

Freud und Jung sind Modelle aus der Zeit um 1900. Die Forschung behandelt sie als historisch wichtig und als nicht bestätigt.

1977 stellten Allan Hobson und Robert McCarley die Aktivierungs-Synthese-Hypothese vor. Danach erzeugt der Hirnstamm im REM-Schlaf zufällige Erregung, und die Großhirnrinde macht daraus eine Geschichte. Der Traum wäre dann ein Nebenprodukt, keine Botschaft.

Auch dieses Modell ist umstritten. Der Neuropsychologe Mark Solms zeigte, dass Träume auch ohne REM-Schlaf entstehen und höhere Hirnregionen brauchen.

Am breitesten vertreten ist heute die Kontinuitätshypothese. Trauminhalte setzen fort, was tagsüber wichtig war. Wer streitet, träumt vom Streit. Wer umzieht, träumt von Häusern.

Was die Traumforschung sicher weiß

Die REM-Schlafphase wurde 1953 von Eugene Aserinsky und Nathaniel Kleitman entdeckt. Werden Menschen aus dem REM-Schlaf geweckt, berichten 82 Prozent von einem Traum. Aus anderen Schlafphasen sind es 42 Prozent.

Du träumst also mehrmals pro Nacht. Erinnert wird meist nur der letzte Traum vor dem Aufwachen, und auch der verblasst binnen Minuten.

Calvin Hall und Robert Van de Castle haben 1966 ein System entwickelt, mit dem sich Trauminhalte zählen lassen: Figuren, Orte, Handlungen, Gefühle. Tausende Traumberichte wurden damit ausgewertet.

Das Ergebnis dieser Zählungen: Träume sind alltäglicher, als ihr Ruf vermuten lässt. Bekannte Menschen, vertraute Orte, Gespräche, Bewegung. Das Bizarre ist die Ausnahme, die besser erinnert wird.

Welche Träume fast alle haben

Tore Nielsen und Kollegen haben 2003 in Kanada 1.181 Studierende nach 55 typischen Traumthemen gefragt. Verfolgtwerden hatten 81,5 Prozent schon geträumt, Fallen 73,8 Prozent, Schule und Prüfungen 67,1 Prozent.

Zu spät kommen lag bei 59,5 Prozent, Fliegen bei 48,3 Prozent, ein lebender Mensch als tot bei 54,1 Prozent. Zähne verlieren nannten 18,8 Prozent.

Eine deutsche Übersetzung des Fragebogens kommt vom Mannheimer Traumforscher Michael Schredl. Die Rangfolge der Themen ist in verschiedenen Ländern sehr ähnlich.

Diese Zahlen sagen etwas Wichtiges. Ein Traum, den 80 Prozent der Menschen haben, kann keine besondere Nachricht an dich sein. Er ist ein Grundmuster, das der Schlaf mit Inhalt füllt.

Was bedeutet mein Traum? Traumdeutung in fünf Schritten

1. Sofort aufschreiben

Träume verblassen binnen Minuten. Notiere gleich nach dem Aufwachen, was du erinnerst, auch Bruchstücke. Stift und Zettel neben dem Bett reichen.

2. Das Gefühl festhalten

Angst, Ärger, Erleichterung, Scham. Das Gefühl beim Aufwachen ist der verlässlichste Teil des Traums. Zwei Menschen können dasselbe Bild mit entgegengesetzten Gefühlen träumen.

3. Die letzten zwei Tage absuchen

Ein Gespräch, eine Nachricht, ein Film, ein alter Bekannter im Feed. Der Anlass findet sich meistens im Kalender.

4. Die Szene übersetzen

Frag nicht, was ein Haus bedeutet. Frag, wo in deinem Leben du gerade etwas Neues betrittst, etwas verlierst oder zu spät kommst. Träume sprechen in Bildern aus deiner eigenen Alltagssprache.

5. Das Lexikon zuletzt

Wenn dir eine Lexikondeutung etwas erklärt, nimm sie als Denkanstoß. Wenn nicht, hat sie keine bessere Grundlage als deine eigene Erinnerung an den Vortag.

Wann ein Traum mehr ist als ein Traum

Etwa 4 bis 5 Prozent der Erwachsenen leiden unter Albträumen. Als behandlungsbedürftig gelten sie, wenn sie etwa einmal pro Woche oder über längere Zeit auftreten.

Ein bewährtes Verfahren ist die Imagery Rehearsal Therapy. Du schreibst den Albtraum am Tag um und übst das neue Ende einige Minuten täglich.

Wenn Träume dich vom Schlafen abhalten oder eine reale Erfahrung immer wieder abspielen, sprich mit deiner Hausärztin. Die Deutung kann warten, der Schlaf nicht.

Häufige Fragen

Was bedeutet mein Traum wirklich?

Eine feste Bedeutung je Bild gibt es nicht. Am ehesten spiegelt der Traum, was dich in den letzten Tagen beschäftigt hat. Das Gefühl beim Aufwachen ist der beste Hinweis.

Was bedeutet mein Traum in der Traumdeutung nach Freud?

Freud las Träume als verkleidete Wünsche. Das Modell ist historisch wichtig, aber nicht bestätigt. Als Denkanstoß taugt es, als Auskunft über dich nicht.

Sind Traumlexika sinnvoll?

Als Sammlung von Deutungstraditionen ja. Als Nachschlagewerk für deinen konkreten Traum nein, weil dieselbe Szene bei jedem Menschen einen anderen Anlass hat.

Warum erinnere ich mich so selten an Träume?

Träume werden vor allem erinnert, wenn du direkt aus dem REM-Schlaf aufwachst. Wer durchschläft oder vom Wecker aus dem Tiefschlaf gerissen wird, erinnert wenig.

Können Träume die Zukunft vorhersagen?

Belegt ist das nicht. Häufig geträumte Themen treffen irgendwann zufällig ein, und dieser Treffer bleibt im Gedächtnis, die tausend Fehltreffer nicht.

Wann sollte ich wegen meiner Träume zum Arzt?

Bei Albträumen, die etwa wöchentlich wiederkehren, bei Schlafangst oder wenn eine reale Erfahrung nachts immer wieder abläuft.

Quellen

Wikipedia: Traum
Nielsen et al. 2003: The Typical Dreams of Canadian University Students (Dreaming)
Wikipedia: Die Traumdeutung (Sigmund Freud)
Wikipedia: Albtraum

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.


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