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Kurzantwort: Die Zahl 9000 ist eine Umfangsangabe, mit der mehrere deutschsprachige Traumlexika werben. Sie sagt aus, wie viele Stichworte gesammelt wurden, und nichts darüber, ob die Deutungen zutreffen. Es gibt kein geprüftes Verzeichnis von Traumsymbolen und keine Stelle, die eine solche Liste festlegt.
Wer nach Traumdeutung sucht, stößt schnell auf Angebote mit einer Zahl im Titel. 1.000 Symbole, 3.000 Symbole, 9.000 Symbole.
Die Zahl soll Vollständigkeit signalisieren. Sie beantwortet die Frage, wie viele Einträge jemand zusammengetragen hat, und keine weitere.
Dieser Text erklärt, wie solche Sammlungen entstehen, was ihr Umfang aussagt und wie du eine große Symbolliste benutzt, ohne dich von ihr in die Irre führen zu lassen.
Woher die Zahl kommt
Hinter Angaben wie 9000 Symbolen steckt eine schlichte Zählung. Jemand hat Stichworte gesammelt, alphabetisch sortiert und am Ende die Einträge gezählt.
Wie fein gezählt wird, entscheidet der Anbieter selbst. Zählen Hund, Welpe, Hundebiss und schwarzer Hund als vier Einträge oder als einer, verändert das die Endzahl um ein Vielfaches, ohne dass ein einziger neuer Gedanke dazukommt.
Deshalb sind die Zahlen zwischen zwei Anbietern nicht vergleichbar. Sie beschreiben die Zählweise und nicht den Inhalt.
Dazu kommt ein technischer Grund für große Zahlen. Jedes Stichwort wird zu einer eigenen Unterseite, und viele Unterseiten bringen einer Website mehr Einstiege aus Suchmaschinen. Der Umfang ist damit auch ein Geschäftsmodell.
Wer zwei Lexika vergleicht, sollte deshalb nicht auf die Gesamtzahl sehen, sondern auf einen einzelnen Eintrag. Dort zeigt sich in drei Sätzen, wie sorgfältig gearbeitet wurde.
Woher die Einträge stammen
Der Ursprung dieser Gattung liegt in der Antike. Artemidor von Daldis schrieb in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts die Oneirokritika, ein Werk in fünf Büchern.
Er reiste durch Kleinasien, nach Griechenland und Italien, befragte Wahrsager auf Märkten und sammelte überlieferte Traumgesichte samt ihrer angeblichen Erfüllung. Das fünfte Buch enthält 95 einzelne Träume mit ihrer Deutung.

Entscheidend ist bei ihm der Träumende selbst. Dasselbe Traumbild bedeutet bei ihm für verschiedene Menschen Verschiedenes, je nach Stand, Beruf und Lebenslage.
Genau dieser Teil geht in modernen Symbollisten meist verloren. Übrig bleibt das Stichwort mit einem Satz dahinter.
Was ein großer Katalog leisten kann
Ein umfangreiches Lexikon hat einen Nutzen, der nichts mit Wahrheit zu tun hat. Es zeigt, welche Bedeutungen einem Bild kulturell zugewachsen sind.
Wer nachschlägt, was eine Brücke, ein Schlüssel oder ein Vogel in der Überlieferung bedeutet, lernt etwas über Sprache und Bildgebrauch. Das ist Kulturgeschichte und hat seinen eigenen Reiz.
Als Werkzeug zur Selbsterkenntnis taugt der Katalog nur begrenzt. Er kann eine Frage anstoßen, die Antwort liefert er nicht mit.
Der Grund liegt in der Herkunft der Traumbilder. Sie stammen aus dem, was ein einzelner Mensch gesehen, gehört und erlebt hat, und dieser Vorrat ist bei jedem anders zusammengesetzt.
Ein Pferd bedeutet für jemanden, der seit der Kindheit reitet, etwas anderes als für jemanden, der einmal von einem Pferd getreten wurde. Kein Verzeichnis kann diesen Unterschied kennen.
Warum sich große Sammlungen widersprechen
Je mehr Quellen eine Sammlung zusammenführt, desto mehr Widersprüche schleppt sie mit. Volksüberlieferung, psychoanalytische Deutungsschulen und esoterische Ratgeber stehen in denselben Listen nebeneinander.
Ein Beispiel liefert die Umkehrregel. In einem Teil der Überlieferung bedeutet ein Traum das Gegenteil dessen, was er zeigt. In einem anderen Teil bedeutet er genau das, was er zeigt.
Beide Regeln finden sich in großen Lexika, oft auf derselben Seite. Wer zwei Einträge zum selben Bild liest, hat danach zwei Deutungen und keine Entscheidungshilfe.
Hinzu kommt das Abschreiben. Viele Einträge wandern von Sammlung zu Sammlung, ohne dass jemand ihre Herkunft prüft. Ein Fehler aus einer alten Vorlage steht deshalb Jahrzehnte später noch in Dutzenden Listen.
Was die Schlafforschung dazu sagt
Aus der Traumforschung gibt es Befunde zu Häufigkeiten, nicht zu Bedeutungen. Nielsen und Kollegen befragten 2003 in Kanada 1.181 Studierende zu 55 wiederkehrenden Traumthemen.
Verfolgtwerden nannten 81,5 Prozent, Fallen 73,8 Prozent, Nacktsein 32,6 Prozent, Geldfinden 25,7 Prozent. Diese Zahlen sagen, wie oft ein Thema vorkommt.
Was ein Thema bedeutet, lässt sich mit denselben Methoden nicht feststellen. Ein Symbolverzeichnis behauptet an dieser Stelle etwas, wofür es kein Messverfahren gibt.
Beschrieben ist außerdem, dass Trauminhalte aufgreifen, was jemanden im Wachleben beschäftigt. Diese Beobachtung erklärt viele Traumbilder ohne jeden Symbolschlüssel.
Wie du eine große Symbolliste benutzt
Nimm den Eintrag als Vorschlag. Wenn du ihn liest und etwas in dir sagt, das passt nicht, ist die Antwort damit gegeben.
Schlage denselben Begriff an zwei Stellen nach. Stimmen die Angaben überein, hast du eine verbreitete Lesart vor dir. Widersprechen sie sich, weißt du, wie belastbar der Bereich ist.
Und geh vor dem Nachschlagen die letzten Tage durch. Ein Film, ein Gespräch, eine Sorge erklärt die meisten Traumbilder schneller als jeder Katalog.
Halte deine eigenen Bilder fest, wenn sie wiederkehren. Nach ein paar Wochen hast du eine kleine Liste, die genauer zu dir passt als jede fremde Sammlung mit 9000 Einträgen.
Häufige Fragen
Gibt es eine offizielle Liste der Traumsymbole?
Nein. Es gibt kein Gremium, keine Norm und keine geprüfte Sammlung.
Ist ein Lexikon mit 9000 Einträgen besser als eines mit 1000?
Der Umfang sagt nur, wie fein jemand gezählt hat.
Warum steht mein Traumbild nirgends?
Weil Träume aus dem persönlichen Bildvorrat schöpfen, den keine Liste abdecken kann.
Woran erkenne ich eine sorgfältige Seite?
Sie nennt die Herkunft ihrer Deutungen und behauptet keine Eindeutigkeit.
Quellen
- Artemidor von Daldis – Wikipedia
- Nielsen et al. (2003): The Typical Dreams of Canadian University Students
- Die Traumdeutung (Freud, 1899/1900) – Wikipedia
- Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Im Traum gestorben: Was danach passiert und was es bedeutet
- Was bedeutet mein Traum? So deutest du ihn in fünf Schritten
- Traumdeutung Tod: was das Bild bedeutet und was nicht
Geschrieben von Bella, Redaktion traumatlas.de — sie schreibt hier über Traumsymbole und ihre Deutung.







