Zahnmodell mit Gebiss auf heller Fläche

Traum von Zähnen: Deutung und was dazu gemessen wurde

Kurzantwort: Traumbücher lesen ausfallende Zähne als Verlust, als Kontrollverlust oder als Angst vor dem Älterwerden. Diese Zuordnungen sind Überlieferung und wurden nie geprüft. Gemessen wurde bisher etwas anderes: In einer Untersuchung von 2018 hingen Zahnträume mit Spannungsgefühlen an den Zähnen beim Aufwachen zusammen, nicht mit seelischer Belastung.

Kaum ein Traumbild wird so oft nachgeschlagen wie der ausfallende Zahn. Fast jeder kennt jemanden, der davon erzählt hat.

Die Deutungen, die man dazu findet, klingen alle ähnlich ernst und meinen doch Verschiedenes. Mal geht es um einen Verlust in der Familie, mal um Geld, mal um Scham.

Dieser Text trennt sauber: erst die Zahlen aus der Traumforschung, dann die Überlieferung, dann die Frage, was im eigenen Fall zuerst infrage kommt.

Wie verbreitet Zahnträume sind

Die größte oft zitierte Erhebung dazu stammt aus Kanada. Tore Nielsen und Kollegen legten 2003 einer Stichprobe von 1.181 Studierenden eine Liste mit 55 wiederkehrenden Traumthemen vor.

18,8 Prozent gaben an, schon einmal geträumt zu haben, dass ihnen Zähne ausfallen oder verloren gehen. Damit stand das Thema auf Rang 38 von 55. Frauen nannten es mit 19,6 Prozent etwas häufiger als Männer mit 16,7 Prozent, der Unterschied war statistisch nicht bedeutsam.

Zum Vergleich: Verfolgtwerden nannten 81,5 Prozent, Fallen 73,8 Prozent. Der Zahntraum ist bekannter, als er häufig ist.

Beide Erhebungen befragten Studierende. Vergleichbare Zahlen für die deutsche Gesamtbevölkerung liegen nicht vor.

Wer sich an einen solchen Traum als frühesten erinnert, datiert ihn im Schnitt auf das Alter von 9,7 Jahren. Eine israelische Erhebung von 2018 kam auf 39 Prozent, die mindestens einmal davon geträumt hatten.

Was 2018 tatsächlich gemessen wurde

Naama Rozen und Nirit Soffer-Dudek stellten in Frontiers in Psychology zwei Erklärungen gegeneinander. Entstehen Zahnträume aus einem körperlichen Reiz im Mundraum, oder sind sie ein Ausdruck seelischer Belastung?

210 Studierende führten dafür Aufzeichnungen. Zahnträume hingen mit dem Spannungsgefühl an den Zähnen beim Aufwachen zusammen, der Effekt war klein bis mittelgroß und statistisch belastbar.

Der einzige bisher gemessene Zusammenhang führt zum Kiefer. Foto: Harrison Keely, CC BY 4.0

Mit den Maßen für seelische Belastung gab es keinen Zusammenhang. Auch mit Schlafqualität und Schlafstörungen ließ sich keiner finden.

Das ist eine einzelne Studie an Studierenden, die ihre Angaben selbst gemacht haben. Sie beweist nichts endgültig. Sie ist bislang aber der einzige geprüfte Zusammenhang, den es zu diesem Traumbild gibt.

Die Spur führt zum Kiefer

Zähneknirschen und Pressen laufen in der Zahnmedizin unter dem Begriff Bruxismus. Die S3-Leitlinie der beteiligten zahnmedizinischen Fachgesellschaften stuft das Knirschen selbst nicht als Krankheit ein.

Folgen kann es trotzdem haben, an den Zähnen, an der Kaumuskulatur und an den Kiefergelenken. Als Vorgehen nennt die Leitlinie an erster Stelle Aufklärung und, wo nötig, eine Okklusionsschiene.

Wer morgens mit verspanntem Kiefer, empfindlichen Zähnen oder Kopfschmerzen an den Schläfen aufwacht, hat damit einen prüfbaren Anhaltspunkt. Der Weg dorthin führt über die Zahnarztpraxis.

Was Traumlexika daraus machen

In der Deutungsliteratur steht der ausfallende Zahn meist für Verlust. Mal wird ein Mensch daraus, mal Besitz, mal die eigene Kraft.

Eine zweite Lesart dreht sich um Kontrolle. Zähne halten fest, beißen zu, setzen sich durch, und ihr Verlust wird als Verlust dieser Fähigkeit gelesen.

Eine dritte verbindet Zähne mit Aussehen und Alter. Sie taucht vor allem in neueren Ratgebern auf, in denen das Lächeln eine Rolle spielt, die es in älteren Traumbüchern nicht hatte.

Diese Einträge widersprechen sich in den Details, und keiner davon lässt sich prüfen. Sie zeigen, wie in einer Zeit über Zähne gesprochen wurde, und ändern sich mit ihr.

Auffällig ist, wie stark die Sprache mitspielt. Wer sich durchbeißt, die Zähne zusammenbeißt oder jemandem die Zähne zeigt, benutzt dasselbe Bild wie das Traumbuch. Die Deutung übernimmt damit eine Redewendung und erklärt keinen Traum.

Freud und die Zahnreizträume

Sigmund Freud behandelte Zahnträume in der Traumdeutung, erschienen im November 1899 und auf 1900 vordatiert, als eigene Gruppe unter den typischen Träumen.

Er brachte sie mit Onanie und der Angst vor Strafe dafür in Verbindung und zählte den Zahnverlust später zu den Bildern, mit denen die Traumarbeit Kastration darstelle.

Diese Zuordnung stammt aus einem Theoriegebäude und nicht aus Beobachtungen an Träumenden. Die Schlafforschung von heute sieht sie nicht als bestätigt an, wirkt in Ratgebertexten aber bis heute nach.

Wenn der Traum wiederkehrt

Ein einzelner Zahntraum ist ein Traum. Kehrt er über Wochen wieder, weckt auf und macht Angst vor dem Einschlafen, gilt eine andere Messlatte.

Die Arbeitsgruppe Traum der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin nennt als Faustregel eine Häufigkeit von etwa einmal pro Woche oder öfter. Ab da lohnt sich Hilfe, unabhängig vom Motiv des Traums.

Belastende Träume sind behandelbar, und das Verfahren dazu ist in wenigen Schritten beschrieben. Eine Deutung des Symbols gehört nicht dazu.

Den eigenen Zahntraum einordnen

Prüfe zuerst den Kiefer. Fühlt er sich morgens verspannt an, drückst du tagsüber die Zähne aufeinander, hattest du zuletzt Zahnschmerzen oder einen Termin?

Halte dann fest, was genau im Traum passiert ist. Ein Zahn, der in die Hand fällt, erzeugt andere Gefühle als ein ganzes Gebiss, das zerbröselt.

Und sieh dir die Tage davor an. Ein Gespräch über eine Zahnbehandlung, ein Foto, ein Kind mit Wackelzahn reicht als Anlass völlig aus.

Häufige Fragen

Bedeutet ein Zahntraum einen Todesfall in der Familie?

Das behauptet die Volksüberlieferung. Ein Nachweis dafür existiert nicht.

Träumen Menschen mit Zahnproblemen häufiger davon?

Die Untersuchung von 2018 fand einen solchen Zusammenhang mit Spannungsgefühlen an den Zähnen beim Aufwachen.

Warum wirkt der Traum so echt?

Weil er den Mundraum betrifft, den wir besonders genau wahrnehmen, und weil starke Gefühle das Erinnern verbessern.

Sollte ich deswegen zum Zahnarzt?

Wenn Kiefer, Zähne oder Schläfen morgens wehtun, ja. Wegen des Traums allein nicht.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion traumatlas.de — sie schreibt hier über Traumsymbole und ihre Deutung.


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