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Träumen von Verstorbenen: Bedeutung, Forschung und Einordnung

Kurzantwort: Träume von Verstorbenen gehören zu den häufigsten Trauminhalten überhaupt. In einer kanadischen Befragung von 1.181 Studierenden hatten 38 Prozent schon einmal eine tote Person lebendig geträumt. Die meisten dieser Träume werden als tröstlich erlebt. Eine Botschaft aus dem Jenseits ist damit nicht belegt. Der Traum zeigt, wie sehr dich der Mensch noch beschäftigt.

Nach einem Todesfall wird nachts vieles nachgeholt, was tagsüber keinen Platz hatte. Der Vater sitzt wieder am Küchentisch. Die Freundin ruft an, als wäre nichts gewesen.

Wer so aufwacht, sucht meistens nach zwei Dingen: einer Erklärung und einer Einordnung. Beides findet sich im Netz reichlich, oft ohne Angabe, woher das Wissen stammt.

Dieser Text trennt beides. Erst kommt, was sich messen lässt. Dann kommt, was gedeutet wird.

Wie häufig Träume von Verstorbenen sind

Der kanadische Schlafforscher Tore Nielsen hat 2003 mit Kollegen 1.181 Studierende an drei Universitäten befragt. 38,4 Prozent gaben an, schon einmal eine verstorbene Person lebendig geträumt zu haben.

Noch häufiger war das umgekehrte Bild. 54,1 Prozent hatten einen lebenden Menschen als tot geträumt. Das zweite Motiv ist also verbreiteter als das erste, obwohl über das erste mehr geredet wird.

Die Befragten waren im Schnitt knapp 20 Jahre alt. Wer älter ist und mehr Todesfälle erlebt hat, dürfte höher liegen. Belegt ist das mit dieser Studie nicht.

Für Trauernde selbst gibt es eine eigene Zahl. Der kanadische Psychologe Joshua Black hat an der Brock University über Trauerträume promoviert. Nach seinen Erhebungen berichten 86 Prozent der Menschen, die einen Partner oder eine Partnerin verloren haben, von Träumen dieser Art.

Was in diesen Träumen typischerweise passiert

Black beschreibt die meisten Trauerträume als überwiegend positiv. Der Verstorbene wirkt gesund, spricht, beruhigt oder sagt, dass es ihm gut geht.

Drei Szenen kehren in Berichten immer wieder. Der Mensch ist einfach da, ohne dass sein Tod im Traum eine Rolle spielt. Der Mensch verabschiedet sich oder gibt etwas mit. Oder der Mensch ist da, und dir ist im Traum klar, dass er eigentlich nicht da sein kann.

Der dritte Typ verunsichert am meisten. Er hat eine Nähe zum Klartraum, in dem du merkst, dass du träumst. Ein Zeichen für etwas Übernatürliches ist das nicht.

Belastende Träume gibt es ebenfalls. Der Verstorbene ist krank, wütend, wendet sich ab oder stirbt erneut. Solche Träume kommen vor, sie sind laut Black aber die Minderheit.

Träumen von Verstorbenen: Bedeutung in Traumbüchern

Traumlexika lesen den Besuch eines Verstorbenen meist als Nachricht. Er will dich warnen, beruhigen oder dir etwas Unerledigtes zeigen.

Diese Lesart ist alt. Schon Artemidor von Daldis behandelt im 2. Jahrhundert Träume von Toten in seinen Oneirokritika. Religiöse Traditionen kennen ähnliche Deutungen und lesen den Besuch je nach Inhalt als Trost oder als Mahnung.

Geprüft wurde keine dieser Zuordnungen. Sie lassen sich auch nicht prüfen, weil niemand nachsehen kann, ob eine Nachricht angekommen ist.

Als Deutung darfst du sie trotzdem nutzen. Sie ist dann ein Angebot, das dir beim Sortieren hilft, und keine Auskunft über den Verstorbenen.

Was die Trauerforschung dazu sagt

Die moderne Traumforschung geht davon aus, dass Träume aufgreifen, was dich tagsüber beschäftigt. Dieses Modell heißt Kontinuitätshypothese. Nach einem Todesfall ist die verstorbene Person das beherrschende Thema, also erscheint sie nachts.

Black beschreibt Trauerträume als Teil der Verarbeitung. Wer im Traum noch einmal Nähe erlebt, wacht oft getröstet auf und trägt dieses Gefühl in den Tag.

In der Trauerforschung gibt es dafür den Begriff der fortgesetzten Bindung. Die Beziehung endet mit dem Tod nicht, sie ändert ihre Form. Der Traum ist ein Ort, an dem diese Bindung weiter gepflegt wird.

Ob der Traum die Trauer verkürzt, ist offen. Black selbst beschreibt tröstliche Träume als hilfreich, Studien mit Vergleichsgruppen dazu fehlen.

Wann diese Träume belasten

Ein Traum, nach dem du weinst, ist nichts Krankhaftes. Trauer sucht sich nachts denselben Weg wie tagsüber.

Anders sieht es aus, wenn dieselbe Szene über Wochen wiederkehrt, wenn du dich vor dem Einschlafen fürchtest oder wenn der Traum den Todesmoment wiederholt. Dann kann eine Trauerreaktion vorliegen, die Hilfe braucht.

Die Anlaufstellen sind Hausarztpraxis, Trauerberatung und Hospizdienste. Viele Hospizvereine bieten oft kostenlose Trauergruppen an, auch für Menschen, deren Angehöriger nicht im Hospiz gestorben ist.

Bei Albträumen, die regelmäßig wiederkehren, ist die Imagery Rehearsal Therapy ein anerkanntes Verfahren. Dabei schreibst du den Traum am Tag um und übst das neue Ende ein.

So ordnest du deinen Traum von einem Verstorbenen ein

Schreib den Traum morgens auf, mit dem Gefühl beim Aufwachen. Das Gefühl sagt mehr über deinen Stand als das Bild.

Sieh auf den Kalender. Todestag, Geburtstag, ein Nachlassgespräch, ein Foto, das dir in die Hand fiel: Ein Auslöser findet sich meistens.

Frag dich, was der Mensch im Traum gesagt oder getan hat. Oft ist es genau das, was du dir im Wachen gewünscht hättest. Aus diesem Stoff sind Träume gebaut.

Wenn der Traum dir gutgetan hat, nimm das mit. Wenn er dich belastet, sprich mit jemandem darüber. Beides ist die richtige Reaktion.

Häufige Fragen

Was bedeutet es, wenn man von Verstorbenen träumt?

Belegt ist, dass diese Träume nach einem Todesfall sehr häufig sind und meist tröstlich erlebt werden. Eine Botschaft der verstorbenen Person ist nicht belegt.

Träumen von Verstorbenen Bedeutung: Ist es ein Zeichen?

Traumbücher und religiöse Traditionen sehen darin ein Zeichen. Geprüft wurde das nie. Die Traumforschung erklärt den Traum mit dem, was dich tagsüber beschäftigt.

Warum träume ich erst Monate nach dem Tod von der Person?

In den ersten Wochen schlafen viele Trauernde schlecht und erinnern wenig. Wenn der Schlaf sich stabilisiert, kehren auch die Träume zurück.

Warum träume ich nie von dem Menschen, den ich vermisse?

Das kommt vor und ist kein Zeichen mangelnder Nähe. Traumerinnerung schwankt stark von Person zu Person, und viele Träume gehen beim Aufwachen verloren.

Ist es schlimm, wenn der Verstorbene im Traum wütend ist?

Belastende Trauerträume kommen vor, sie sind die Minderheit. Sie spiegeln oft eigene Schuldgefühle oder Ungesagtes, nicht die Haltung des Verstorbenen.

Wann sollte ich mit jemandem über diese Träume sprechen?

Wenn sie über Wochen wiederkehren, dich vor dem Schlafen fürchten lassen oder den Todesmoment wiederholen. Trauerberatung und Hausarztpraxis sind die ersten Anlaufstellen.

Quellen

Nielsen et al. 2003: The Typical Dreams of Canadian University Students (Dreaming)
CBC News: Why we have grief dreams when a loved one dies (Interview mit Joshua Black)
Wikipedia: Albtraum

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.


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