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Im Traum weinen: Bedeutung, Deutung im Islam und Einordnung

Kurzantwort: Weinen im Traum gilt in der europäischen Deutungsliteratur als Bild für Entlastung und für Gefühle, die tagsüber keinen Platz hatten. In der islamischen Überlieferung wird stilles Weinen meist positiv gelesen, lautes Klagen dagegen kritisch. Belegt ist keine dieser Deutungen. Häufig steckt ein konkreter Anlass dahinter: Trauer, Streit, Erschöpfung oder ein Film am Abend.

Manche wachen mit echten Tränen auf. Andere erinnern nur, dass sie im Traum geweint haben, und finden das Kissen trocken.

Beides kommt vor, und beides führt zur selben Frage. Was soll das bedeuten?

Dieser Text sammelt, was die Deutungstraditionen dazu sagen, kennzeichnet ihre Herkunft und zeigt, wie du deinen eigenen Traum einordnest.

Was bedeutet im Traum weinen? Die europäische Lesart

Traumlexika lesen Tränen fast durchgehend als Ventil. Der Traum lasse zu, was am Tag zurückgehalten wurde.

Eine zweite Zuordnung dreht sich um Erleichterung. Wer im Traum weint und danach ruhiger wird, gilt als jemand, der etwas abschließt.

Manche Traumbücher kehren die Bedeutung sogar um und lesen Tränen als Ankündigung von Freude. Solche Umkehrungen sind in der älteren Traumliteratur verbreitet.

Diese Einträge widersprechen sich also untereinander. Wer zwei Lexika vergleicht, findet regelmäßig zwei gegensätzliche Auskünfte zum selben Bild.

Weinen im Traum im Islam

Die islamische Traumdeutung hat eine eigene, lange Tradition. In der Hadithliteratur, etwa in der Sammlung Sahīh al-Buchārī, werden Träume in Gruppen unterteilt: solche, die als gute Botschaft gelten, solche, die als Einflüsterung des Satans eingeordnet werden, und solche, die aus den eigenen Gedanken stammen.

Auf dieser Grundlage wird stilles Weinen in der populären Deutungsliteratur meist positiv gelesen, häufig als Zeichen für Reue, Erleichterung oder aufrichtige Zuwendung.

Lautes Klagen, Schreien und Schlagen gilt dagegen als kritisch, weil die Überlieferung entsprechendes Verhalten bei Trauerfällen ablehnt.

Als Verfasser der bekanntesten Traumbücher wird oft Muhammad Ibn Sirin genannt, ein Gelehrter aus Basra aus der Generation nach den Prophetengefährten. In der Forschung gilt als umstritten, ob die ihm zugeschriebenen Werke tatsächlich von ihm stammen.

Was zuerst als Anlass infrage kommt

Trauer ist der naheliegendste Auslöser. Nach einem Verlust häufen sich Träume mit Abschied, Suche und Tränen.

Auch ungelöster Streit wirkt. Wer ein Gespräch abgebrochen hat, führt es im Traum manchmal weiter — mit den Gefühlen, die am Tag gefehlt haben.

Erschöpfung gehört ebenfalls dazu. Wenig Schlaf führt zu mehr Erwachen in der zweiten Nachthälfte, und dort liegen die längsten Traumphasen.

Und es gibt den harmlosen Fall: ein Film, ein Lied, ein Buch. Trauminhalte greifen auf, was tagsüber Gefühle ausgelöst hat.

Wer im Traum weint, sagt etwas über die Rolle aus

Selbst zu weinen, getröstet zu werden oder jemanden weinen zu sehen sind drei verschiedene Träume, auch wenn Lexika sie unter einem Stichwort führen.

Beim eigenen Weinen liegt der Anlass meist bei dir. Beim Trösten steht die Beziehung zu der tröstenden Person im Bild, und die kennst du besser als jedes Traumbuch.

Jemanden weinen zu sehen wird gern als Sorge um diese Person gedeutet. Häufig gibt es diese Sorge tatsächlich, und dann erklärt sie den Traum vollständig.

Diese Unterscheidung bringt mehr als jeder Lexikoneintrag. Sie führt zurück zu konkreten Menschen und konkreten Ereignissen.

Echte Tränen im Schlaf

Dass Menschen im Schlaf tatsächlich weinen, ist gut dokumentiert und harmlos. Tränen können auch ohne Traum entstehen, etwa durch trockene Luft oder gereizte Augen.

Ein nasses Kissen ist deshalb kein Beweis für einen besonders bedeutsamen Traum. Es zeigt nur, dass die Tränendrüsen gearbeitet haben.

Anders liegt der Fall bei nächtlichem Erwachen mit starker Traurigkeit über Wochen. Das kann ein Hinweis auf eine depressive Episode sein.

Frühes Erwachen und gedrückte Stimmung am Morgen gehören zu den bekannten Anzeichen. In diesem Fall gehört das Thema in eine ärztliche oder psychotherapeutische Sprechstunde.

Dasselbe gilt nach einem Verlust, wenn die Trauer nach vielen Monaten unvermindert stark bleibt und den Alltag blockiert. Die anhaltende Trauerstörung ist als eigenes Beschwerdebild beschrieben und behandelbar.

Für die Abgrenzung zur normalen Trauer zählen Ausmaß und Folgen, nicht allein die verstrichene Zeit. Kulturelle und religiöse Gepflogenheiten spielen dabei ausdrücklich mit hinein.

So ordnest du deinen Traum ein

Notiere zuerst, worüber du geweint hast. Ein konkreter Anlass im Traum ist der wichtigste Hinweis und geht beim Aufwachen schnell verloren.

Halte danach fest, ob jemand dabei war. Getröstet werden, allein weinen oder jemanden weinen sehen sind drei verschiedene Träume.

Sieh dann auf die letzten zwei Tage. Ein Streit, eine Nachricht, ein Jahrestag oder ein Film erklären die meisten dieser Träume.

Erst wenn sich nichts findet, lohnt der Blick in die Deutung. Sie bleibt ein Angebot, das du an deiner Lage prüfst.

Häufige Fragen

Was bedeutet im Traum weinen?

Traumbücher lesen Tränen als Entlastung, manche auch als Ankündigung von Freude. Beide Zuordnungen sind Überlieferung und wurden nie überprüft.

Was bedeutet Weinen im Traum im Islam?

In der populären islamischen Deutungsliteratur gilt stilles Weinen meist als gutes Zeichen, lautes Klagen als kritisch. Die Zuordnung stammt aus Traumbüchern, deren Verfasserschaft teils unklar ist.

Warum wache ich mit echten Tränen auf?

Weinen im Schlaf kommt vor und ist harmlos. Tränen können außerdem ohne Traum entstehen, etwa durch trockene Luft oder gereizte Augen.

Ist Weinen im Traum ein schlechtes Zeichen?

Als Vorzeichen ist es nicht belegt. Als Hinweis auf ein Thema, das dich beschäftigt, kann es dagegen brauchbar sein.

Was heißt es, jemanden weinen zu sehen?

Deutungslexika lesen das als Sorge um diese Person. Näher liegt meist, dass es diese Sorge tatsächlich gibt und der Traum sie aufgreift.

Wann sollte ich damit zum Arzt?

Wenn du über Wochen traurig aufwachst, früh erwachst und der Antrieb tagsüber fehlt. Das sind bekannte Anzeichen einer depressiven Episode und behandelbar.

Quellen

Wikipedia: Traumdeutung
Wikipedia: Sahīh al-Buchārī
Wikipedia: Ibn Sirin
psychenet — Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.


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