Kurzantwort: Wer im Traum um sich schlägt, tritt und ruft, hat möglicherweise eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung. Dabei fällt die Muskellähmung aus, die den Körper normalerweise im Traum ruhigstellt. Betroffen sind etwa 5 von 1.000 Menschen, rund 90 Prozent Männer, meist über 60. Die Störung gehört zum Arzt: Sie führt zu Verletzungen, und 65 Prozent der Betroffenen entwickeln später ein Parkinson-Syndrom oder eine Demenz. Einzelne Zuckungen beim Einschlafen und der Nachtschreck bei Kindern sind davon zu unterscheiden.
Der Partner wacht mit einem blauen Fleck auf. Du erinnerst einen Traum, in dem du dich gegen einen Angreifer gewehrt hast.
Dieses Muster ist seit 1986 als eigene Schlafstörung beschrieben. Es ist selten, aber es hat Folgen, die weit über die Nacht hinausgehen.
Dieser Text erklärt, was im Schlaf passiert, wer betroffen ist, wie die Diagnose läuft und was harmlose Bewegungen im Schlaf davon unterscheidet.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Wenn du im Schlaf regelmäßig schlägst, trittst, rufst oder aus dem Bett fällst, wenn du oder dein Partner dadurch verletzt wurden oder wenn dazu Zittern, Steifigkeit oder ein verändertes Gangbild am Tag kommen, sprich mit der Hausarztpraxis oder direkt mit einem Schlaflabor.
Was im Schlaf passiert, wenn du im Traum um dich schlägst
Im REM-Schlaf, in dem die meisten erinnerten Träume entstehen, hemmt der Hirnstamm die Skelettmuskulatur fast vollständig. Diese REM-Atonie sorgt dafür, dass Traumbewegungen im Kopf bleiben.
Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung fällt diese Hemmung aus. Der Körper führt aus, was der Traum vorgibt: schlagen, boxen, treten, sich aufrichten, aus dem Bett springen.
Die Träume sind meist Kampf- oder Fluchtszenen. Betroffene wehren sich gegen Angreifer oder Tiere, und die Bewegungen passen zur Handlung.
Nach dem Wecken erinnern sie den Traum meist genau. Das unterscheidet die Störung vom Nachtschreck und vom Schlafwandeln, die aus dem Tiefschlaf kommen und keine Erinnerung hinterlassen.
Wer betroffen ist
Die Störung wurde 1986 vom Psychiater Carlos Schenck und Kollegen in Minneapolis beschrieben. Sie tritt bei etwa 5 von 1.000 Menschen auf.
Rund 90 Prozent der Betroffenen sind Männer, über 80 Prozent älter als 60. Die Symptome beginnen typischerweise zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr.
Bei jüngeren Menschen kommt die Störung selten vor. Dann stehen oft Medikamente wie bestimmte Antidepressiva oder eine Narkolepsie dahinter.
Warum die Störung zum Arzt gehört
Der erste Grund sind Verletzungen. Die medizinische Leitlinie nennt 64 Prozent Fremdgefährdung, 32 Prozent Eigengefährdung und 7 Prozent Knochenbrüche. Partner werden getroffen, Betroffene fallen gegen Nachttisch oder Wand.
Der zweite Grund wiegt schwerer. Nach der Fachliteratur entwickeln 65 Prozent der Betroffenen im weiteren Verlauf ein Parkinson-Syndrom oder eine Demenz. Zwischen den ersten nächtlichen Symptomen und der Erkrankung können Jahre bis Jahrzehnte vergehen.
Die Störung gilt deshalb als Frühzeichen. Wer sie kennt, kann früh beobachtet und bei Bedarf früh behandelt werden.
Diagnose und Behandlung
Wie die Diagnose läuft
Die Diagnose braucht eine Nacht im Schlaflabor. Dort wird der Schlaf mit EEG, Augen- und Muskelmessung aufgezeichnet, dazu läuft eine Videokamera.
Entscheidend ist die Muskelmessung im REM-Schlaf. Wenn die Spannung dort nicht abfällt, wie sie sollte, und die Kamera Bewegungen zeigt, steht die Diagnose.
Ein Fragebogen oder der Bericht des Partners reichen nicht aus. Andere Störungen wie Schlafapnoe oder nächtliche Krampfanfälle können ähnlich aussehen und werden im Labor ausgeschlossen.
Was die Behandlung leistet
Der erste Schritt ist Sicherheit. Bett vom Nachttisch wegrücken, scharfe Kanten polstern, bei Bedarf getrennt schlafen, bis die Behandlung wirkt.
Medikamentös wird Clonazepam vor dem Schlafengehen empfohlen. Melatonin hat bei einigen Patienten eine Besserung gezeigt und hat weniger Nebenwirkungen.
Die Behandlung dämpft die Bewegungen. Sie ändert nichts an der Frage, ob später eine neurologische Erkrankung folgt. Deshalb gehört zur Behandlung eine regelmäßige neurologische Kontrolle.
Was harmlos ist und keine Störung
Einschlafzuckungen sind kurze, einzelne Zuckungen beim Übergang in den Schlaf, oft mit dem Gefühl zu fallen. Sie sind sehr verbreitet und völlig harmlos.
Der Nachtschreck bei Kindern beginnt mit einem Schrei aus dem Tiefschlaf in der ersten Stunde nach dem Einschlafen. Das Kind kann dabei um sich schlagen, ist nicht ansprechbar und erinnert nichts. Er trifft 3 Prozent der Kinder und verliert sich nach der Pubertät.
Ein einzelner Albtraum, aus dem du mit einer Armbewegung aufwachst, ist ebenfalls gewöhnlich. Die Lähmung löst sich im Moment des Aufwachens, und eine begonnene Bewegung kommt durch.
Der Unterschied liegt in der Wiederholung und in der Passung. Wer über Monate im REM-Schlaf ganze Traumhandlungen ausführt, sollte das abklären lassen.
Im Traum um sich schlagen: Bedeutung in Traumbüchern
Traumlexika lesen den Schlag als aufgestaute Wut oder als Abwehr gegen etwas, das im Wachleben zu nah kommt.
Diese Deutung betrifft den Trauminhalt, nicht die Bewegung. Ob der Arm dabei tatsächlich ausschlägt, hat mit der Deutung nichts zu tun und alles mit der Muskellähmung.
Geprüft wurde die Deutung nicht. Für die Bewegung im Schlaf ist sie ohne Bedeutung. Für den Traum selbst darfst du sie als Denkanstoß nehmen, wenn sie dir etwas erklärt.
Häufige Fragen
Ich schlage im Schlaf um mich. Ist das eine Krankheit?
Wenn es regelmäßig vorkommt, zu erinnerten Träumen passt und meist in der zweiten Nachthälfte auftritt, kann es eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung sein. Das klärt ein Schlaflabor.
Wer bekommt eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung?
Vor allem Männer über 60. Etwa 5 von 1.000 Menschen sind betroffen, rund 90 Prozent davon Männer.
Bedeutet die Diagnose, dass ich Parkinson bekomme?
Nach der Fachliteratur entwickeln 65 Prozent der Betroffenen später ein Parkinson-Syndrom oder eine Demenz, oft erst nach Jahren. Die Diagnose ist ein Grund für regelmäßige Kontrollen, kein Urteil.
Mein Kind schlägt nachts um sich und schreit. Ist das dasselbe?
Meist nicht. Bei Kindern ist das fast immer ein Nachtschreck aus dem Tiefschlaf. Er ist harmlos und verliert sich mit der Pubertät.
Was kann ich sofort tun?
Das Bett sichern: Abstand zum Nachttisch, weiche Kanten, nichts Zerbrechliches in Reichweite. Danach einen Termin in der Hausarztpraxis vereinbaren.
Was bedeutet der Traum vom Um-sich-Schlagen?
Traumbücher deuten ihn als Wut oder Abwehr. Ein Beleg fehlt. Die Bewegung im Schlaf hat mit der Deutung nichts zu tun.
Quellen
Wikipedia: REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Wikipedia: Pavor nocturnus
Wikipedia: REM-Schlaf
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
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Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.

