Kurzantwort: Schreien im Schlaf hat vier mögliche Ursachen. Der Nachtschreck trifft 3 Prozent der Kinder und unter 1 Prozent der Erwachsenen, meist in der ersten Stunde nach dem Einschlafen, ohne Erinnerung. Albträume wecken in der zweiten Nachthälfte mit klarer Erinnerung. Sprechen im Schlaf betrifft 5 Prozent der Erwachsenen. Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung, bei der Betroffene rufen und schlagen, betrifft etwa 5 von 1.000 Menschen und gehört zum Arzt.
Der Partner weckt dich, weil du geschrien hast. Oder du wachst selbst auf, mit dem Schrei noch im Hals, und weißt nicht, ob er laut war.
Beides läuft unter demselben Suchbegriff. Dahinter stecken aber verschiedene Vorgänge im Schlaf, mit verschiedenen Folgen.
Dieser Text sortiert sie nach dem, was sich beobachten lässt: Uhrzeit, Erinnerung, Ansprechbarkeit. Am Ende steht, was Traumbücher aus dem Schrei machen.
Wichtig: Dieser Text ersetzt kein ärztliches Gespräch. Wenn du im Schlaf regelmäßig schreist und dabei um dich schlägst, trittst oder aus dem Bett fällst, wenn du oder dein Partner dadurch verletzt wurden oder wenn ein Kind beim Nachtschreck über Wochen mehrmals pro Woche auffällt, sprich mit der Hausarztpraxis oder einem Schlaflabor.
Der Nachtschreck: Schrei ohne Erinnerung
Der Nachtschreck heißt fachlich Pavor nocturnus. Er beginnt mit Wimmern, Keuchen oder meist einem Schrei aus dem Tiefschlaf, typischerweise 15 Minuten bis eine Stunde nach dem Einschlafen.
Betroffen sind 3 Prozent der Kinder, der Gipfel liegt zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr. Bei Erwachsenen sind es weniger als 1 Prozent.
Das Kind sitzt aufrecht, hat Schweiß auf der Stirn, einen schnellen Puls und ist bis zu 15 Minuten nicht ansprechbar. Am Morgen erinnert es nichts oder nur Bruchstücke.
Als Auslöser gelten Stress, Schlafmangel, Fieber und bei Erwachsenen Alkohol. Eine Behandlung ist meist nicht nötig. Nach der Pubertät tritt der Nachtschreck nur noch selten auf.
Der Albtraum: Schrei mit Erinnerung
Albträume entstehen vorwiegend im REM-Schlaf, meist in der zweiten Nachthälfte. Wer davon aufwacht, erinnert den Traum genau und ist sofort ansprechbar.
Ein hörbarer Schrei ist beim Albtraum eher selten. Im REM-Schlaf ist die Skelettmuskulatur gelähmt, auch die Muskeln für Kehlkopf und Stimme. Deshalb erleben viele den Schrei als stumm. Was nach außen dringt, ist oft nur ein Stöhnen oder ein Laut im Moment des Aufwachens.
Etwa 4 bis 5 Prozent der Erwachsenen leiden unter Albträumen. Als behandlungsbedürftig gelten sie ab etwa einmal pro Woche oder über längere Zeit. Das anerkannte Verfahren heißt Imagery Rehearsal Therapy: Der Traum wird am Tag umgeschrieben und das neue Ende eingeübt.
Sprechen und Rufen im Schlaf
Sprechen im Schlaf heißt Somniloquie. Rund die Hälfte aller Kinder tut es, bei Erwachsenen sind es etwa 5 Prozent.
Es tritt meist beim Wechsel zwischen den Schlafphasen auf, seltener im REM-Schlaf. Die Bandbreite reicht vom Murmeln bis zum lauten Ruf.
Betroffene erinnern sich nicht daran. Was sie wissen, wissen sie vom Partner. Stress, Fieber und Alkohol begünstigen es. Eine Behandlung ist gewöhnlich nicht nötig.
Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Schrei mit Bewegung
Bei dieser Störung fällt die Muskellähmung im REM-Schlaf aus. Betroffene führen ihre Träume aus: Sie rufen, schlagen, treten, richten sich auf oder fallen aus dem Bett.
Sie wurde 1986 vom Psychiater Carlos Schenck beschrieben. Betroffen sind etwa 5 von 1.000 Menschen, rund 90 Prozent davon Männer, über 80 Prozent älter als 60.
Die Träume sind meist Kampf- oder Fluchtszenen, und die Bewegungen passen dazu. Nach dem Wecken erinnern Betroffene den Traum, im Unterschied zum Nachtschreck.
Diese Störung gehört zum Arzt, aus zwei Gründen. Erstens verletzen sich Betroffene und Partner. Zweitens entwickeln nach der Fachliteratur 65 Prozent später ein Parkinson-Syndrom oder eine Demenz, oft erst nach Jahren. Die Diagnose läuft über eine Nacht im Schlaflabor.
Woran du die vier Ursachen unterscheidest
Die Uhrzeit ist der erste Hinweis. Erste Stunde nach dem Einschlafen spricht für den Nachtschreck, zweite Nachthälfte für Albtraum oder REM-Verhaltensstörung.
Die Erinnerung ist der zweite. Nachtschreck und Schlafsprechen hinterlassen keine. Albtraum und REM-Verhaltensstörung hinterlassen eine klare.
Die Bewegung ist der dritte. Wer nur schreit oder redet, hat meist etwas Harmloses. Wer dazu schlägt und tritt, sollte das abklären lassen.
Das Alter ist der vierte. Nachtschreck ist ein Kinderthema, die REM-Verhaltensstörung ein Thema älterer Männer.
Im Traum schreien: Bedeutung in Traumbüchern
Traumlexika lesen den Schrei als Entladung. Etwas im Wachleben ist zu viel geworden, und der Traum lässt es raus.
Der stumme Schrei gilt als ungehörte Stimme. Du hast etwas zu sagen, und niemand hört zu.
Beide Deutungen folgen der Alltagssprache. Geprüft wurde keine davon. Für den hörbaren Schrei reicht in den meisten Fällen die Erklärung aus dem Schlaf. Für den stummen Schrei im Albtraum darfst du die Deutung als Denkanstoß nehmen, wenn sie dir etwas erklärt.
Häufige Fragen
Warum schreie ich im Schlaf?
Meist wegen Nachtschreck, Albtraum oder Sprechen im Schlaf. Bei Rufen mit Schlagen und Treten kann eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung vorliegen.
Mein Kind schreit nachts und ist nicht ansprechbar. Was ist das?
Sehr wahrscheinlich ein Nachtschreck. Er trifft 3 Prozent der Kinder, dauert 1 bis 10 Minuten und hinterlässt keine Erinnerung. Nicht wecken, nur sichern und abwarten.
Warum kann ich im Albtraum nicht schreien?
Im REM-Schlaf ist die Stimmmuskulatur gelähmt wie die übrige Skelettmuskulatur. Der Traum baut diese Stille in die Szene ein.
Was bedeutet Schreien im Traum in der Traumdeutung?
Traumbücher deuten es als Entladung oder ungehörte Stimme. Ein Beleg dafür fehlt.
Ist Schreien im Schlaf gefährlich?
Für sich genommen nein. Gefährlich wird es, wenn Bewegungen dazukommen, die zu Verletzungen führen. Das ist ein Fall für das Schlaflabor.
Wann sollte ich damit zum Arzt?
Bei Schreien mit Schlagen und Treten, bei Verletzungen, bei Albträumen ab etwa einmal pro Woche oder wenn ein Kind über Wochen mehrmals wöchentlich auffällt.
Quellen
Wikipedia: Pavor nocturnus
Wikipedia: REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Wikipedia: Somniloquie
Wikipedia: Albtraum
Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.
