Light Through the Fog

Traum von der eigenen Beerdigung: Bedeutung und Einordnung

Kurzantwort: Der Traum von der eigenen Beerdigung ist meist ein Beobachtertraum: Du siehst dich im Sarg oder stehst am Grab, während andere trauern. Traumbücher lesen ihn als Ende einer Lebensphase, Carl Gustav Jung als Wandlung. Belegt ist keine dieser Deutungen. Belegt ist, dass der eigene Tod ein verbreitetes Traumbild ist: 23,8 Prozent der Befragten in einer kanadischen Studie hatten sich selbst schon tot gesehen.

Die Kapelle ist voll. Du kennst jedes Gesicht. Vorne steht ein Sarg, und du weißt, dass du darin liegst.

Viele beschreiben diesen Traum erstaunlich ruhig. Sie schauen zu, wer weint, wer fehlt, wer spricht. Die Angst kommt oft erst nach dem Aufwachen, mit der Frage, was das bedeuten soll.

Dieser Text erklärt, wie häufig das Bild ist, was die Deutungstraditionen daraus machen und wann der Traum ein Gespräch wert ist.

Wie der Traum meist abläuft

Drei Perspektiven kehren in Berichten wieder. Die erste ist der Zuschauer: Du stehst zwischen den Gästen, niemand sieht dich, du hörst die Reden über dich.

Die zweite ist der Blick aus dem Sarg. Du liegst da, kannst dich nicht bewegen, und die Trauerfeier läuft über dir ab. Dieses Bild überschneidet sich mit dem Traum, gefesselt oder bewegungsunfähig zu sein, den 21,4 Prozent der Befragten bei Nielsen kannten.

Die dritte ist die Vorbereitung. Du planst deine Beerdigung, suchst Musik aus, schreibst eine Liste. Hier ist der Tod eher Kulisse für eine Aufgabe.

Fast allen Varianten gemeinsam ist die Frage, wer kommt und wer nicht. Der Traum sortiert Menschen nach Nähe. Das ist ein Wachgedanke, den viele kennen, und der Traum spielt ihn durch.

Wie häufig der eigene Tod geträumt wird

Tore Nielsen und Kollegen haben 2003 in Kanada 1.181 Studierende befragt. 23,8 Prozent hatten sich selbst schon als tot gesehen. 34,5 Prozent hatten geträumt, getötet zu werden. Frauen und Männer unterschieden sich dabei kaum.

Weit häufiger ist der Tod anderer. 54,1 Prozent hatten einen lebenden Menschen als tot geträumt.

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin nennt für Jugendliche die häufigsten Albtraumthemen: Verfolgung bei 50 Prozent, eigener Tod bei 15 Prozent, Verletzung oder Tod nahestehender Personen bei 20 Prozent.

Die eigene Beerdigung wurde in keiner dieser Erhebungen einzeln gezählt. Sie ist eine Spielart des Motivs „eigener Tod“, und das ist gut belegt.

Was Traumbücher, Jung und Freud darin sehen

Traumbücher deuten die eigene Beerdigung fast nie als Tod. Sie steht dort für einen Abschluss: eine Beziehung endet, ein Job, eine Lebensphase. Manche Bücher fügen den Volksglauben an, wer sich beerdigt sehe, lebe lange. Ein Beleg dafür existiert nicht.

Carl Gustav Jung sah im Traumtod ein Bild der Wandlung. Etwas Altes wird begraben, damit etwas Neues wachsen kann. Diese Lesart steht bis heute in fast jedem Lexikon.

Sigmund Freud hat in der Traumdeutung von 1899 die Träume vom Tod nahestehender Menschen als typische Träume behandelt und auf verdrängte Wünsche aus der Kindheit zurückgeführt.

Die islamische Tradition führt ihre Traumhandbücher auf Ibn Sīrīn zurück, der 728 starb. Die meisten dieser Bücher sind ihm nur zugeschrieben. Sie arbeiten mit derselben Formel wie antike Omen-Texte: Wer dies sieht, dem geschieht das.

Keine dieser Zuordnungen wurde je geprüft. Sie sind Angebote aus ihrer Zeit.

Was der Traum über dich verrät und was nicht

Ein Vorzeichen ist er nicht. Alle, die von diesem Traum berichten, haben ihn überlebt, und die Befragung von Nielsen zählt Hunderte solcher Fälle.

Der Traum zeigt eher, womit du dich beschäftigst. Eine Beerdigung im Umfeld, eine Diagnose bei Bekannten, ein Testament, ein runder Geburtstag, eine Serie mit Trauerszene: Ein Anlass in den letzten Tagen findet sich fast immer.

Die Frage, wer an deinem Grab steht, ist die Frage nach Zugehörigkeit. Wer sich gerade übersehen fühlt oder eine Freundschaft verliert, träumt sie eher.

Das Gefühl im Traum ist der verlässlichste Hinweis. Ruhe, Neugier, Rührung, Wut über jemanden, der fehlt. Zwei Menschen können dieselbe Szene mit entgegengesetzten Gefühlen träumen.

Wenn der Traum belastet

Ein einzelner Traum braucht keine Behandlung. Die DGSM nennt als Faustregel für Albträume eine Häufigkeit von etwa einmal pro Woche, oder Angst vor dem Einschlafen.

Dann helfen drei Schritte: Den Traum aufschreiben. Eine neue Lösung für die Traumsituation ausdenken, etwa aufstehen, sprechen, jemanden ansprechen. Diese Lösung zwei Wochen lang täglich in der Vorstellung durchgehen.

Wenn du auch wach oft an deinen eigenen Tod denkst und die Gedanken dich nicht loslassen, sprich mit deiner Hausärztin. Bei dem Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111, kostenlos und anonym.

Häufige Fragen

Was bedeutet es, von der eigenen Beerdigung zu träumen?

Traumbücher deuten es als Abschluss einer Lebensphase, Jung als Wandlung. Belegt ist nur, dass der eigene Tod ein verbreitetes Traumbild ist und meist einen Anlass in den letzten Tagen hat.

Ist der Traum von der eigenen Beerdigung ein Vorzeichen?

Nein. Dafür gibt es keinen Beleg. 23,8 Prozent der Befragten in Kanada kannten das Bild vom eigenen Tod, und alle lebten, als sie es angaben.

Warum war ich im Traum so ruhig?

Der Traum kennt keinen Schmerz, und die Zuschauerrolle schafft Abstand. Diese Ruhe gehört zum Traum.

Was heißt es, wenn bestimmte Menschen bei meiner Beerdigung fehlen?

Der Traum sortiert nach Nähe, so wie du sie gerade empfindest. Wer fehlt, ist oft jemand, mit dem gerade etwas offen ist.

Ich habe meine Beerdigung im Traum selbst geplant. Ist das normal?

Ja. In dieser Variante ist der Tod nur Kulisse für eine Aufgabe. Häufig steckt eine reale Planung dahinter, ein Testament, ein Umzug, eine Feier.

Wann sollte ich wegen des Traums zum Arzt?

Wenn er etwa wöchentlich als Albtraum wiederkehrt, du Angst vor dem Einschlafen hast oder auch tagsüber Todesgedanken nicht loswirst.

Quellen

Nielsen et al. 2003: The Typical Dreams of Canadian University Students (Dreaming)
DGSM, AG Traum: Alpträume – Was kann ich dagegen tun? (PDF)
Wikipedia: Traumdeutung
Wikipedia: Die Traumdeutung (Sigmund Freud)

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.


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