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Kurzantwort: Online-Traumlexika geben Überlieferung wieder, keine Forschungsergebnisse. Ihre Einträge gehen auf antike Sammlungen und auf Ratgeberliteratur des zwanzigsten Jahrhunderts zurück, wurden vielfach abgeschrieben und nie an Träumenden geprüft. Belegt ist über Träume anderes: Die Erinnerung hängt am nächtlichen Aufwachen, und Trauminhalte greifen Themen des Wachlebens auf.
Wer nachts von etwas Unangenehmem aufwacht, tippt den Traum in die Suchmaschine. Innerhalb von Sekunden steht dort eine Antwort, meist in sehr sicherem Ton.
Diese Sicherheit ist das eigentliche Problem. Sie verdeckt, wie diese Einträge entstanden sind und worauf sie beruhen.
Dieser Text erklärt die Herkunft solcher Seiten, zeigt die typischen Muster und nennt Merkmale, an denen sich eine sorgfältige von einer beliebigen unterscheiden lässt.
Woher die Einträge stammen
Die ältesten erhaltenen Traumbücher stammen aus der Antike. Artemidor von Daldis sammelte im zweiten Jahrhundert Deutungen, die er auf Reisen zusammentrug, und ordnete sie nach Lebensbereichen.
Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden daraus gedruckte Volksbücher, die weite Verbreitung fanden. Sie übernahmen antike Einträge und ergänzten sie um örtlichen Volksglauben.
Im zwanzigsten Jahrhundert kam die tiefenpsychologisch geprägte Ratgeberliteratur hinzu und übersetzte dieselben Bilder ins Seelische. Die heutigen Onlineseiten schöpfen aus allen drei Schichten.
Ein Prüfverfahren gab es auf keiner dieser Stufen. Jede Generation schrieb ab und legte eigene Überzeugungen darüber.
Dazu kommt eine jüngere Schicht. Seit maschinell erzeugte Texte billig geworden sind, entstehen ganze Sammlungen ohne Verfasser, die vorhandene Einträge neu formulieren. Am Wahrheitsgehalt ändert das nichts, an der Menge sehr viel.
Warum sich die Einträge widersprechen
Wer dasselbe Stichwort auf drei Seiten nachschlägt, findet oft drei verschiedene Antworten. Das liegt nicht an Nachlässigkeit, sondern am Aufbau dieser Literatur.
Ein Verfasser mit Angst vor Verlust deutet Geld anders als einer, der Bescheidenheit predigt. Beide Deutungen landen später nebeneinander in derselben Datenbank.

Dazu kommt ein Anreiz zur Vollständigkeit. Eine Seite mit einem Eintrag zu jedem denkbaren Stichwort bekommt mehr Zugriffe als eine, die Nichtwissen einräumt.
Deshalb finden sich zu seltenen Symbolen Einträge, die nie jemand geprüft hat. Sie wurden geschrieben, weil das Stichwort gesucht wird.
Ein weiterer Grund liegt in der Übersetzung. Antike Einträge beziehen sich auf eine Gesellschaft mit Sklaverei, Wahrsagerei und ganz anderen Rechtsverhältnissen, und ihre Bilder ergeben ohne diesen Rahmen wenig Sinn.
Die typischen Muster
Ein verbreitetes Muster ist die Umkehrregel: Ein Bild bedeute das Gegenteil dessen, was es zeigt. Sie hat für den Verfasser den Vorteil, dass sie sich nachträglich immer bestätigen lässt.
Ein zweites Muster ist die Zukunftsaussage. Ein Traum kündige an, was bevorsteht, was sich weder prüfen noch widerlegen lässt und deshalb besonders gut wirkt.
Ein drittes Muster ist die Ferndiagnose. Aus einem Symbol wird auf verdrängte Konflikte geschlossen, ohne dass die Seite den Menschen kennt.
Alle drei Muster erzeugen Sicherheit, wo keine ist. Wer sie erkennt, liest solche Seiten anders.
Ein viertes Muster ist die Länge ohne Inhalt. Ein Eintrag, der dasselbe dreimal anders sagt und mit einer offenen Frage endet, verrät, dass zu diesem Stichwort nichts Belastbares vorliegt.
Was über Träume tatsächlich bekannt ist
Die Schlafforschung sagt zum Inhalt einzelner Symbole nichts. Sie beschreibt die Bedingungen, unter denen geträumt und erinnert wird.
Bekannt ist, dass in verschiedenen Schlafphasen geträumt wird und dass Trauminhalte vor allem dann erinnert werden, wenn jemand in der Nacht kurz aufwacht. Wer durchschläft, hat nicht weniger geträumt, sondern weniger behalten.
Bekannt ist außerdem, dass Trauminhalte Themen, Personen und Tätigkeiten des Wachlebens aufgreifen. Diese Beobachtung trägt weiter als jeder Symboleintrag.
Und bekannt ist, dass wiederkehrende Albträume ein behandelbares Beschwerdebild sind. Dafür gibt es untersuchte Verfahren.
Für die eigene Traumerinnerung folgt daraus ein einfacher Hinweis. Wer sie verbessern will, notiert Träume direkt nach dem Aufwachen, und zwar bevor er aufsteht, denn schon wenige Minuten Alltag löschen den größten Teil.
Woran du eine sorgfältige Seite erkennst
Ein erstes Merkmal ist die Trennung. Eine sorgfältige Seite sagt, welcher Teil Überlieferung ist und welcher Teil auf Schlafforschung beruht.
Ein zweites sind Quellen mit Impressum, also Fachgesellschaften, Hochschulen, Behörden oder Nachschlagewerke, statt Verweisen im Kreis auf ähnliche Seiten.
Ein drittes ist der Ton. Wer Vorhersagen macht oder aus einem Bild auf eine Krankheit schließt, überschreitet die Grenze des Belegbaren.
Ein viertes ist der Umgang mit Belastung. Eine seriöse Seite nennt Anlaufstellen, statt Albträume ausschließlich zu deuten.
Ein fünftes Merkmal ist der Umgang mit Werbung. Seiten, die zwischen den Absätzen kostenpflichtige Beratungen oder Kartenlegen anbieten, verkaufen Sicherheit und liefern keine Einordnung.
Wie du solche Seiten sinnvoll nutzt
Am besten funktionieren sie als Stichwortgeber. Ein Eintrag kann auf einen Gedanken bringen, den man selbst nicht gehabt hätte.
Wichtig ist die Reihenfolge. Erst den Traum aufschreiben, dann nachschlagen, denn ein gelesener Eintrag färbt die Erinnerung nachträglich ein.
Und nachts besser gar nicht nachschlagen. Das Licht des Bildschirms und der Inhalt der Seite halten wach, und die Deutung wirkt um drei Uhr morgens bedrohlicher als am Vormittag.
Sinnvoll ist außerdem, nicht nur ein Stichwort zu lesen. Wer denselben Traum auf zwei oder drei Seiten nachschlägt, sieht die Widersprüche selbst und behandelt keine der Antworten mehr als Auskunft über sein Leben.
Häufige Fragen
Sind Online-Traumlexika wissenschaftlich?
Nein. Sie geben Überlieferung wieder und beruhen nicht auf geprüften Befunden.
Warum widersprechen sich die Seiten?
Weil ihre Quellen aus verschiedenen Zeiten und Schulen stammen und nie abgeglichen wurden.
Kann ein Traum die Zukunft zeigen?
Nein. Dafür gibt es keinen Beleg.
Was hilft mehr als Nachschlagen?
Den Traum aufschreiben und prüfen, welches Thema im Alltag gerade Platz einnimmt.
Quellen
- Traumdeutung – Wikipedia
- Artemidor von Daldis – Wikipedia
- Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
- Psychotherapie-Informationsdienst der Deutschen Psychologen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Online Lexikon Traumdeutung: Wie Sie Symbole schnell nachschlagen und deuten
- Verfolgt werden im Traum: Deutung und was wirklich hilft
- Online Traumdeutung: Die besten Ressourcen für eine digitale Traumanalyse
Geschrieben von Bella, Redaktion traumatlas.de — sie schreibt hier über Traumsymbole und ihre Deutung.







