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Kurzantwort: Jemanden zu töten ist ein verbreitetes Traummotiv: 24,3 Prozent der Befragten in einer kanadischen Studie kannten es, Männer mit 36,1 Prozent fast doppelt so oft wie Frauen mit 19,5 Prozent. Traumbücher lesen den Traum als aufgestaute Wut oder als Wunsch, etwas zu beenden. Belegt ist das nicht. Der Traum ist kein Geständnis und kein Vorzeichen. Meist stehen ein Konflikt, Stress oder ein Film der letzten Tage dahinter.
Du schlägst zu, oder du drückst ab, und die Person fällt. Im Traum geht es weiter: Du versteckst etwas, du läufst, du wirst gesucht. Dann bist du wach, und das Erste, was kommt, ist Scham.
Viele erzählen diesen Traum niemandem. Dahinter steht fast immer dieselbe Sorge: dass der Traum etwas über sie verrät. Die kurze Antwort lautet nein. Die lange steht in diesem Text.
Er erklärt, wie häufig Tötungsträume sind, was die Deutungstraditionen daraus machen, was die Forschung belegt und wann der Traum ein Gespräch braucht.
Wie häufig der Traum ist
Tore Nielsen und Kollegen haben 2003 in Kanada 1.181 Studierende nach 55 typischen Traumthemen gefragt. 24,3 Prozent hatten schon geträumt, jemanden zu töten. Männer lagen mit 36,1 Prozent fast doppelt so hoch wie Frauen mit 19,5 Prozent, einer der größten Geschlechterunterschiede der ganzen Liste.
Das Gegenstück war häufiger: 34,5 Prozent hatten geträumt, selbst getötet zu werden, 42,4 Prozent, körperlich angegriffen zu werden. Verfolgtwerden lag mit 81,5 Prozent auf Platz eins.
Genauer zählen die Normwerte von Calvin Hall und Robert Van de Castle, die an der University of California in Santa Cruz veröffentlicht sind. In 500 Männerträumen und 491 Frauenträumen kam Aggression in 47 beziehungsweise 44 Prozent vor. Der Träumer war bei Männern in 31 Prozent der Fälle selbst der Angreifer, bei Frauen in 28 Prozent, häufiger aber das Opfer. Ein Mord machte bei Männern 6 Prozent aller Aggressionen aus, bei Frauen 2 Prozent.
Töten ist im Traum also selten, Gewalt dagegen alltäglich.
Wie der Traum meist abläuft
Ein Fremder
Am häufigsten ist die Person gesichtslos oder unbekannt. Oft geht es um Notwehr: Jemand greift an, du wehrst dich, und der Angreifer bleibt liegen.
Jemand, den du kennst
Seltener ist es der Partner, ein Elternteil, der Chef, ein Freund. Diese Variante wirkt beim Aufwachen am längsten nach, weil der Name bleibt.
Die Zeit danach
Viele Berichte enden nicht mit der Tat. Du versteckst die Leiche, du wirst gesucht, du wartest auf die Entdeckung. Dieses Bild trägt die Angst des Traums, die Tat selbst ist oft seltsam gefühllos.
Was Traumbücher, Freud und Jung darin sehen
Traumbücher lesen das Töten als aufgestaute Wut auf die getötete Person oder auf das, wofür sie steht. Manche machen daraus den Wunsch, ein Kapitel zu beenden, eine Gewohnheit, einen Job, eine Abhängigkeit.
Sigmund Freud hat in der Traumdeutung ein Kapitel den Träumen vom Tod naher Menschen gewidmet. Die schmerzhaften Varianten las er als Wunsch, dass die Person sterben möge, entstanden in der frühen Kindheit und heute nicht mehr gültig. Das Modell ist ein Stück Geschichte, die Forschung hat es nicht bestätigt.
Die Schule von Carl Gustav Jung liest die getötete Figur als Schatten, als abgelehnten Anteil der eigenen Person. Der Mord wäre dann der Versuch, diesen Anteil loszuwerden. Auch das ist Tradition.
Die islamische Tradition sortiert Träume nach ihrer Herkunft. Nach einer Überlieferung im Sahih Muslim stammt der schlechte Traum vom Satan. Wer ihn hat, soll dreimal nach links ausspucken, Zuflucht bei Gott suchen und den Traum niemandem erzählen, dann schade er nicht.
Keine dieser Zuordnungen wurde je an Traumberichten geprüft.
Was die Forschung belegt
Der finnische Forscher Antti Revonsuo hat die Bedrohungssimulationstheorie vorgeschlagen. Danach spielt der Traum Gefahren durch, damit wir wach besser mit ihnen umgehen. Angriff und Gegenwehr wären dann Training. Die Theorie ist eine Hypothese, sie erklärt aber gut, warum Gewalt in Träumen so häufig ist.
Geneviève Robert und Antonio Zadra haben 2014 in Kanada 253 Albträume und 431 schlechte Träume ausgewertet. Körperliche Gewalt war das häufigste Albtraumthema. Wer im Traum tötet, träumt also eine Spielart des verbreitetsten Albtrauminhalts.
Sicher belegt ist die Rolle von Stress. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin nennt das aktuelle Stressniveau als großen Einfluss auf die Häufigkeit von Albträumen. Und Träume greifen auf, was tagsüber wichtig war: ein Streit, eine Demütigung, eine Serie mit Mord, eine Nachricht.
Kein Geständnis, kein Vorzeichen
Ein Traum ist kein Beweis für eine Absicht. Es gibt keinen Beleg, dass Menschen, die vom Töten träumen, häufiger gewalttätig werden. In der Befragung von Nielsen kannte ein Viertel der Studierenden den Traum, bei den Männern ein Drittel. Das ist der Normalfall.
Auch ein Vorzeichen ist der Traum nicht. Er sagt nichts über die getötete Person voraus. Wenn du jemanden Bekanntes tötest, gibt es mit dieser Person meist gerade einen Konflikt oder eine Kränkung. Der Traum besetzt die Rolle mit dem, der dir wach am nächsten liegt.
Das Gefühl beim Aufwachen ist der beste Hinweis. Wut spricht für einen ungelösten Streit, Angst vor Entdeckung für ein schlechtes Gewissen in einer anderen Sache, Gleichgültigkeit für ein Bild aus Film oder Nachrichten.
Wenn der Traum wiederkehrt
Schreib den Traum auf: wen, warum, wie es weiterging. Halte das Gefühl fest. Such den Anlass in den letzten zwei Tagen.
Kommt der Traum etwa wöchentlich und weckt dich mit Angst, empfiehlt die DGSM drei Schritte. Den Traum aufschreiben. Eine neue Lösung für die Traumszene erfinden, etwa die Figur anzusprechen oder die Waffe wegzulegen. Diese Lösung zwei Wochen täglich durchgehen.
Wer wach ernsthaft daran denkt, jemandem etwas anzutun, oder wer nach eigener Gewalterfahrung von Gewalt träumt, sollte mit einem Menschen sprechen. Ansprechpartner sind die Hausärztin, Psychotherapeuten und schlafmedizinische Zentren.
Zum geplanten Mord im Traum gibt es hier einen eigenen Text: Traumdeutung Morden.
Häufige Fragen
Was bedeutet es, im Traum jemanden zu töten?
Traumbücher sagen aufgestaute Wut oder der Wunsch, etwas zu beenden. Belegt ist nur, dass das Motiv verbreitet ist und meist auf einen Konflikt, Stress oder Medien der letzten Tage zurückgeht.
Bin ich gefährlich, wenn ich vom Töten träume?
Nein. 24,3 Prozent der Befragten in Kanada kannten den Traum, bei Männern 36,1 Prozent. Es gibt keinen Beleg, dass der Traum etwas über künftiges Verhalten sagt.
Was bedeutet es, wenn ich meinen Partner töte?
Meist gibt es gerade einen ungelösten Streit oder eine Kränkung. Traumbücher lesen das als Wunsch nach Abstand, geprüft ist das nicht.
Warum fühle ich im Traum nichts bei der Tat?
Das berichten viele. Das Gefühl im Traum folgt nicht dem Bild. Oft kommt die Angst erst mit der Entdeckung oder beim Aufwachen.
Wann sollte ich Hilfe suchen?
Wenn der Traum etwa wöchentlich wiederkehrt und dich mit Angst weckt, wenn er auf eine echte Gewalterfahrung zurückgeht oder wenn du wach an Gewalt gegen andere denkst.
Quellen
Nielsen et al. 2003: The Typical Dreams of Canadian University Students (Dreaming)
Hall/Van de Castle Norms for Aggression (UC Santa Cruz, dreams.ucsc.edu)
Sigmund Freud: Die Traumdeutung, „Die Träume vom Tod teurer Personen“ (textlog.de)
DGSM, AG Traum: Alpträume – Was kann ich dagegen tun? (PDF)
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Geschrieben von Mira, Redaktion traumatlas.de — sie ordnet hier Traumbilder ein und trennt Deutung von Beleg.







