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Kurzantwort: Erschossen zu werden gehört zu den verbreiteten Gewaltträumen: 34,5 Prozent der Befragten in einer kanadischen Studie hatten schon geträumt, getötet zu werden, 42,4 Prozent, körperlich angegriffen zu werden. Traumbücher deuten den Schuss als Angriff auf dein Selbstbild oder als plötzlichen Schreck. Belegt ist das nicht. Ein Vorzeichen ist der Traum nicht. Meist stehen Stress, ein Konflikt oder ein Film dahinter.
Jemand hebt die Waffe. Du willst weglaufen, die Beine sind schwer. Dann der Schuss, und du wachst auf, mit der Hand auf der Brust.
Oder du träumst weiter. Du liegst da, siehst die anderen, spürst nichts. Auch das berichten viele, und es verwirrt beim Aufwachen mehr als der Schuss selbst.
Dieser Text erklärt, wie häufig solche Träume sind, was die Deutungstraditionen daraus machen, was die Forschung belegt und wann der Traum ein Gespräch braucht.
Wie häufig Gewaltträume sind
Tore Nielsen und Kollegen haben 2003 in Kanada 1.181 Studierende nach 55 typischen Traumthemen gefragt. 34,5 Prozent hatten schon geträumt, getötet zu werden. 42,4 Prozent hatten einen körperlichen Angriff geträumt, die Frage nannte dabei Schläge, Stiche und Vergewaltigung.
Verfolgtwerden lag mit 81,5 Prozent auf Platz eins aller Themen. Selbst jemanden zu töten hatten 24,3 Prozent geträumt, Männer mit 36,1 Prozent fast doppelt so oft wie Frauen mit 19,5.
Geneviève Robert und Antonio Zadra haben 2014 in Kanada 253 Albträume und 431 schlechte Träume ausgewertet. Körperliche Gewalt war das häufigste Albtraumthema und kam in Albträumen mehr als doppelt so oft vor wie in schlechten Träumen.
Der Schuss ist eine Spielart dieses Themas. Er wurde nicht einzeln gezählt. Das Motiv dahinter ist eines der häufigsten überhaupt.
Wie der Traum meist abläuft
In den meisten Berichten ist der Schütze unbekannt oder gesichtslos. Seltener ist es jemand aus dem Umfeld, und dann bleibt diese Person beim Aufwachen im Kopf.
Der Schuss ist oft der Moment des Aufwachens. Er ist der Höhepunkt der Angst, und starke Erregung weckt.
Wer weiterträumt, berichtet meist von Schmerzlosigkeit. Der Traum hat keinen Körper, der verletzt werden könnte. Manche wechseln in die Beobachterrolle, andere merken an dieser Stelle, dass sie träumen.
Was Traumbücher, Freud und Jung darin sehen
Traumbücher lesen den Schuss als Angriff auf dein Selbstbild: Kritik, ein Vorwurf, eine Kränkung, die dich unvorbereitet trifft. Manche machen aus dem Knall eine plötzliche Nachricht.
Sigmund Freud hat Schusswaffen in seinen Vorlesungen ausdrücklich behandelt. Er zählte „Gewehre, Pistolen und den durch seine Form so sehr dazu tauglichen Revolver“ zu den Symbolen des männlichen Glieds. In den Angstträumen von Mädchen, schrieb er, spiele die Verfolgung durch einen Mann mit Messer oder Schusswaffe eine große Rolle. Das Modell ist ein Stück Geschichte, in der Forschung ist es nicht bestätigt.
Die Schule von Carl Gustav Jung liest die angreifende Figur als Schatten, als abgelehnten Anteil der eigenen Person. Der Schuss wäre dann ein innerer Konflikt. Auch das ist Tradition.
Keine dieser Zuordnungen wurde je an Traumberichten geprüft. Sie können einen Gedanken anstoßen, mehr Gewicht haben sie nicht.
Was die Forschung belegt
Der finnische Forscher Antti Revonsuo hat die Bedrohungssimulationstheorie vorgeschlagen. Danach ist der Traum ein alter Mechanismus, der Bedrohungen durchspielt, damit wir wach besser mit ihnen umgehen. Gewaltträume wären dann ein Training. Die Theorie ist eine Hypothese und wird in der Forschung diskutiert, sie erklärt aber gut, warum Verfolgung und Angriff in verschiedenen Ländern an der Spitze der Traumthemen stehen.
Sicherer belegt ist die Rolle von Stress. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin nennt das aktuelle Stressniveau als großen Einfluss auf die Häufigkeit von Albträumen, dazu Veranlagung, Persönlichkeit und Traumata.
Und Träume greifen auf, was tagsüber wichtig war. Ein Film, ein Spiel, eine Nachricht über eine Schießerei, ein Streit, in dem du dich angegriffen gefühlt hast. Der Anlass liegt fast immer in den letzten zwei Tagen.
Wenn der Traum aus einer echten Erfahrung stammt
Wer selbst Gewalt erlebt hat, träumt anders. Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung gehört das Wiedererleben des Ereignisses in Träumen und Albträumen zu den Kernsymptomen. Diese Träume wiederholen die Szene oft nah am tatsächlichen Ablauf.
Die DGSM beschreibt die Albtraumbehandlung hier als sinnvolle Ergänzung zur Standardtherapie. Ansprechpartner sind Verhaltenstherapeuten, Psychiater und schlafmedizinische Zentren. Wer nach einem Überfall, einem Einsatz oder einer Bedrohung solche Träume hat, sollte nicht warten, bis sie von allein verschwinden.
So ordnest du den Traum ein
Schreib den Traum auf. Wer geschossen hat, ob du weggelaufen bist, ob du aufgewacht bist oder weitergeträumt hast.
Halte das Gefühl fest. Panik, Wut, Ohnmacht, Erstaunen über die Schmerzlosigkeit. Das Gefühl sagt mehr über dich als das Bild.
Such den Anlass. Serie, Nachrichten, Konflikt, Prüfung, ein Chef, der dich vor anderen kritisiert hat.
Kommt der Traum etwa wöchentlich und weckt dich mit Angst, empfiehlt die DGSM drei Schritte. Den Traum aufschreiben. Eine neue Lösung für die Traumszene erfinden. Diese Lösung zwei Wochen täglich durchgehen. Weglaufen und Aufwachen gelten dabei als ungünstig, weil sie Vermeidung bleiben. Günstig ist, die Figur anzusprechen oder sich Helfer vorzustellen.
Häufige Fragen
Was bedeutet es, im Traum erschossen zu werden?
Traumbücher sagen Angriff auf das Selbstbild oder plötzlicher Schreck. Belegt ist nur, dass Gewaltträume verbreitet sind und meist auf Stress, einen Konflikt oder Medien der letzten Tage zurückgehen.
Ist der Traum ein Vorzeichen?
Nein. Träume sagen die Zukunft nicht voraus. 34,5 Prozent der Befragten in Kanada hatten geträumt, getötet zu werden, und lebten alle, als sie es angaben.
Was bedeutet es, wenn ich den Schützen kenne?
Meist gibt es mit dieser Person gerade einen offenen Konflikt oder eine Kränkung. Der Traum besetzt die Rolle mit dem, der dir wach am nächsten liegt.
Warum spüre ich im Traum keinen Schmerz?
Der Traum hat keinen Körper, der verletzt werden kann. Schmerzlosigkeit nach dem Schuss ist ein häufiger Bericht.
Ich träume von Schüssen, seit ich einen Überfall erlebt habe. Was tun?
Das kann ein Symptom einer posttraumatischen Belastungsstörung sein. Sprich mit deiner Hausärztin oder einem Verhaltenstherapeuten, die Albtraumbehandlung ergänzt dort die Therapie.
Was bedeutet es, wenn ich selbst schieße?
Das Motiv kannten bei Nielsen 24,3 Prozent, Männer deutlich häufiger. Traumbücher lesen es als aufgestaute Wut. Belegt ist das nicht, der Anlass liegt meist in einem realen Ärger.
Quellen
Nielsen et al. 2003: The Typical Dreams of Canadian University Students (Dreaming)
Robert & Zadra 2014: Thematic and content analysis of idiopathic nightmares and bad dreams (Sleep)
Sigmund Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, 10. Vorlesung „Die Symbolik im Traum“ (textlog.de)
DGSM, AG Traum: Alpträume – Was kann ich dagegen tun? (PDF)
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